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Risikosenkende Maßnahmen bei suchtkranken Patienten und Patientinnen

Novellen zur Suchtgift- und Psychotropenverordnung

Die Novellen zur Änderung der Suchtgift- und der Psychotropenverordnung bringen eine Reihe von Änderungen und Verbesserungen für Patientinnen und Patienten sowie für den Berufsalltag der Ärzteschaft und Apotheken:

  1. Risikoreduzierende Maßnahmen beim Einsatz benzodiazepinhaltiger Arzneimittel bei suchtkranken Patientinnen und Patienten
  2. Unterstützung der Apotheken bei der Erkennung gesperrter Suchtgiftrezepte
  3. Erleichterung bei den Formvorschriften für die Ausstellung von Suchtgiftrezepten
  4. Regelungen zum Mitführen ordnungsgemäß verschriebener suchtmittelhaltiger Arzneimittel im internationalen Reiseverkehr
  5. Neue Arzneistoffe

Hintergrundinformation:

In Österreich werden seit mehr als 20 Jahren opiatabhängige Patientinnen und Patienten im Rahmen einer Erhaltungstherapie mit Opioiden behandelt. Die Opioid-Erhaltungstherapie stellt eine wichtige Behandlungsform im Rahmen der Suchttherapie dar. Eine besondere Problematik liegt allerdings im Beikonsum sogenannter "Benzodiazepine". Hier wurde in den letzten Jahren ein Anstieg beobachtet. Die bisherige Verschreibung auf normalen Kassen- oder Privatrezepten ist nicht fälschungssicher, überdies kann es bis zu fünfmaligen Wiederholung der Abgabe kommen.

Die Wirkstoffe weisen ein erhebliches Abhängigkeitspotenzial auf. Multipel substanzabhängige Patienten und Patientinnen, die (auch) eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen entwickelt haben, fühlen sich mit der Maximaldosis oft unterdosiert, und versorgen sich daher mit den Arzneimitteln typischerweise über Rezepte verschiedener Ärztinnen und Ärzte, oder über den Schwarzmarkt. Von opiatabhängigen Suchtkranken werden die Medikamente bevorzugt zur Minderung von Entzugserscheinungen und zur Wirkverstärkung der Opiate eingesetzt. Die Mischung ist mit einem hohen Überdosierungsrisiko verbunden.

Eingrenzung und Senkung des Benzodiazepinkonsums

Die Novelle zur Psychotropenverordnung beinhaltet nun strengere Verschreibungsregeln für Benzodiazepine. Benzodiazepine, die den rasch anflutenden Wirkstoff Flunitrazepam enthalten, werden der verpflichtenden Verschreibung auf Suchtgiftrezept unterstellt. Dadurch wird ein Fälschungsschutz, die Dokumentation und Nachvollziehbarkeit der Verschreibung sowie eine "Vignettenkennzeichnung" gewährleistet. Somit wird den Risiken, insbesondere der Ansammlung großer Mengen dieser Arzneimittel bei Suchtkranken und der Diversion der Arzneimittel in den Schwarzmarkt entgegen gewirkt. Für die langsamer anflutenden Benzodiazepine wurde eine „ne repetatur"-Bestimmung ohne Möglichkeit der ärztlichen Anordnung einer wiederholten Abgabe in der Psychotropenverordnung festgelegt.

Die neuen gesetzlichen Maßnahmen räumen der Schadensbegrenzung für die Patientinnen und Patienten, die erkrankungsbedingt ihren Suchtkonsum nicht kontrollieren können, oberste Priorität ein.

Risiken senken

Weiters sehen die Novellen arbeitserleichternde Maßnamen für Ärztinnen und Ärzte sowie Apotheken vor, die den Patientinnen und Patienten zugute kommen, da dem hochriskanten Mischgebrauch von Opioiden und Benzodiazepinen effektiver entgegengewirkt werden kann.

  • Die Nummern der Suchtgiftvignetten sollen von den Behörden über eine vom BMGF im Rahmen des Behördenportalverbundes bereitgestellten Datenbank zentral erfasst und den Apotheken über die Apothekensoftwareprogramme zur Verfügung gestellt werden. Dies hilft den Apotheken gesperrte Suchtgiftrezepte zu erkennen.
  • Bei automationsunterstützt ausgestellten Rezepten werden Formalitäten abgebaut. Sicherheitseinbußen wurden dabei ausgeschlossen.
  • Die Leitlinie für die Stabilisierung, Eingrenzung und Senkung des Benzodiazepinkonsums bietet der Ärzteschaft eine Reihe von Empfehlungen und Unterstützung im Umgang mit dem schädlichen Gebrauch und der Abhängigkeit von Bezodiazepinen bei der Behandlung von mulipel abhängigen Patientinnen und Patienten in Substitutionsbehandlung. (05.11.2012)