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Der Österreichische Strukturplan Gesundheit – ÖSG 2017

Der ÖSG

Die Sicherung der Gesundheitsversorgung ist eine wesentliche öffentliche Aufgabe. Um auf zukünftige Herausforderungen rechtzeitig reagieren zu können, braucht es eine Gesamtsicht sowie Vorgaben, wohin sich das Gesundheitssystem entwickeln soll. Das wird durch bundesweite und regionale Planungsinstrumente erreicht.

Die Verantwortung für die Gesundheitsversorgung ist in Österreich geteilt, sie liegt beim Bund, den Ländern und Gemeinden sowie bei der Sozialversicherung. Durch das Planungsinstrument des ÖSG gibt es einen gemeinsamen österreichweiten Rahmenplan, den der Bund, alle Länder und die Sozialversicherung gemeinsam beschließen. Damit wird trotz der unterschiedlichen Verantwortlichkeiten ein gemeinsames Bild über die Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitssystems geschaffen.

Der ÖSG enthält Planungsaussagen für ausgewählte Bereiche der ambulanten und der akutstationären Versorgung, für die ambulante und stationäre Rehabilitation und für medizinisch-technische Großgeräte. Die Qualitätskriterien im ÖSG zielen darauf ab, in den verschiedenen Versorgungsstrukturen österreichweit gleiche Versorgungsstandards zu erreichen. Mit dem ÖSG wird sichergestellt, dass Gesundheitsversorgung in ganz Österreich ausgewogen verteilt und gut erreichbar ist und in vergleichbarer Qualität auf hohem Niveau angeboten wird.

Der ÖSG wurde erstmals 2006 vereinbart. Die nunmehr fünfte Revision, der ÖSG 2017, wurde am 30. Juni 2017 von der Bundes-Zielsteuerungskommission beschlossen und ist mit diesem Datum in Kraft getreten. Die Planungsaussagen und die Umsetzung der Qualitätskriterien des ÖSG 2017 beziehen sich auf das Jahr 2020. Zusätzlich werden Orientierungswerte für die Planung auf Länderebene für das Jahr 2025 angegeben.

Der ÖSG 2017 basiert auf dem Bundesgesetz zur partnerschaftlichen Zielsteuerung-Gesundheit (BGBl. I Nr. 26/2017) und auf den zwischen dem Bund und allen Bundesländern getroffenen Vereinbarungen gemäß Art. 15a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens sowie Zielsteuerung-Gesundheit. Der ÖSG selbst hat die Qualität eines Sachverständigengutachtens. Ausgewählte Inhalte sollen in weiterer Folge nach Begutachtung in einer Verordnung verbindlich gemacht werden.

Der ÖSG stellt die Grundlage für die Regionalen Strukturpläne Gesundheit (RSG) dar, die vom jeweiligen Land und den zuständigen Sozialversicherungsträgern vereinbart werden und die Versorgung im Detail regeln (für einen Überblick über die aktuellen Planungen in den RSG siehe RSG-Monitoring)

Neuerungen im ÖSG 2017

Der ÖSG 2017 wurde gegenüber der Fassung ÖSG 2012 neu strukturiert, gänzlich überarbeitet und aktualisiert. Der ÖSG 2017 ist in drei Hauptkapitel – Planung, Qualitätskriterien und Großgeräteplan – gegliedert. Die Kapitel Planung und Qualitätskriterien sind wiederum jeweils in den ambulanten Bereich (intra- und extramural), den stationären Bereich und die Rehabilitation unterteilt. Die Aussagen und Festlegungen des ÖSG 2017 orientieren sich an den Elementen des sich gegenwärtig auch international vollziehenden Wandels von Gesundheitssystemen und Versorgungsstrukturen. Darauf basieren die folgenden richtungsweisenden Konzepte des ÖSG 2017:

  • Patientenzentrierte integrierte Versorgung: Der ÖSG 2017 ist nicht durchgehend streng nach Fachrichtungen aufgebaut, sondern orientiert sich an Versorgungsstufen (mit allen Gesundheitsberufen), konzentriert sich auf multiprofessionelle und interdisziplinäre Versorgungsformen (Teamorientierung) und enthält Grundlagen für die Festlegung von Versorgungsaufträgen (Leistungsspektren und Qualitätskriterien) auf regionaler Ebene mit den Zielen einer patientenorientierten Versorgung (hinsichtlich Zugang und Umfang) und einer transparenten Darstellung von Qualität (zur Förderung der Patientensicherheit).
  • Multiprofessionelle und interdisziplinäre Versorgungsformen: Der ÖSG 2017 berücksichtigt, soweit möglich, grundsätzlich alle Gesundheitsberufe; da allerdings ausreichend validierte Leistungsauswertungen vorerst nur für die ärztliche Berufsgruppe vorlagen, konnten die anderen Berufsgruppen zunächst nur gesamthaft zugeordnet werden (Ziel weiterer Arbeiten ist es, Leistungen anderer Berufsgruppen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die einzelnen Fachbereiche zu identifizieren und sukzessive ein vollständiges Bild des Leistungsgeschehens insbesondere im ambulanten Bereich zu erhalten).
  • Aufgabenprofile und Qualitätskriterien in der ambulanten Versorgung wurden auf Basis von Vorarbeiten mit multiprofessionellen Expertengruppen völlig neu konzipiert. Das neue Kapitel 3.1 enthält Aufgabenprofile, Qualitätskriterien und die Zuordnung von Leistungen in der Leistungsmatrix für den ambulanten Bereich für die Primärversorgung und neun ausgewählte Fachbereiche (weitere Fachbereiche werden laufend erarbeitet und sukzessive ergänzt werden).
  • Akutstationäre und tagesklinische Versorgung sowie angrenzende Versorgungsbereiche mit besonderem Regelungsbedarf: Das Kapitel 3.2 wurde im Vergleich zum ÖSG 2012 neu gestaltet. Es werden primär jene Fach- und Versorgungsbereiche dargestellt, denen komplexere Versorgungsmodelle zugrunde liegen und deren Regelungsbedarf über die allgemeinen Qualitätskriterien hinausgeht. Für alle anderen Fachbereiche gelten die allgemeinen Qualitätskriterien (Kapitel 3.2.1) sowie die Regelungen der Leistungsmatrix für den stationären Bereich (Kapitel 3.2.2). Die Qualitätskriterien wurden auf Basis von gemeinsam mit medizinischen ExpertInnen aus den betroffenen Fachbereichen entwickelten Vorschlägen gänzlich überarbeitet und aktualisiert.
  • Sicherung der Grundversorgung: Dank wesentlicher Fortschritte in Medizin, Pflege und Technologie können heute viele Leistungen, die früher lange Spitalsaufenthalte notwendig machten, auch ambulant, in der Tagesklinik oder in kleineren, flexiblen stationären Settings erbracht werden. Der ÖSG 2017 beschreibt eine Reihe von Versorgungsformen innerhalb und außerhalb der Spitäler, die eine dem jeweiligen regionalen Bedarf entsprechende umfassende medizinische Grundversorgung stärken können.
  • Bündelung der spezialisierten Versorgung: Medizinischer Fortschritt führt auch zu einer verstärkten Spezialisierung in der Medizin. In sehr spezialisierten Bereichen sind umfangreiche Expertise und Routine des Behandlungsteams sowie die apparative Ausstattung wesentliche Faktoren bei der Behandlung. Daher sollen hoch spezialisierte Leistungen an gut ausgebauten Spitalsstandorten gebündelt werden, um die für ausreichende Routine notwendigen Fallzahlen zu erreichen und die höchstmögliche Versorgungsqualität zu gewährleisten.
  • Überregionale Versorgungsplanung: Komplexe spezialisierte Leistungen, die nur an wenigen Standorten angeboten werden, werden im ÖSG 2017 konkret mit Standorten, Kapazitäten und Zuordnung der zu versorgenden Regionen geplant. Diese Planung wurde gegenüber dem ÖSG 2012 um Stammzelltransplantationen (allogen), um die Versorgung von Schwerbrandverletzten sowie von hochkontagiösen lebensbedrohlichen Erkrankungen, um Zentren für medizinische Genetik und um Expertisezentren für seltene Erkrankungen (die sukzessive ergänzt werden) erweitert.
  • Konkrete Umsetzung in den RSG: Die konkrete Umsetzung der Rahmenvorgaben des ÖSG in regionale Versorgungsstrukturen bzw. die Entscheidung, wo konkret welche Leistungsspektren mit welcher Kapazität vorgehalten werden, erfolgt auf Länderebene in den Regionalen Strukturplänen Gesundheit (RSG). Der ÖSG 2017 enthält Rahmenvorgaben für die Erstellung der RSG.

Bestandteile des ÖSG 2017

Der ÖSG 2017 besteht aus einem Textteil und 11 Anhängen, wobei die Anhänge 5 bis 10 in einem separaten Tabellenband enthalten sind. Die Tabellen aus den Anhängen 5 bis 10 stehen zum Zweck der individuellen weiteren Verwendung und Verarbeitung zusätzlich auch im xls-Format zur Verfügung. Das Dokument „Leistungsmatrix-stationär auf Basis LKF-Modell 2017“ wurde bereits 2016 veröffentlicht und ist unverändert.

Der ÖSG 2017 ist ein „lebendes Produkt“ und befindet sich in kontinuierlicher Weiterentwicklung. Die jeweils gültige Version steht mit dem jeweiligen Änderungsdatum und Hinweisen auf die Änderungen zur Verfügung. Zusätzlich werden Informationen zu der dem ÖSG zugrundeliegenden regionalen Gliederung (siehe unten) sowie die im ÖSG erwähnten Handbücher – Handbuch Personalplanung (siehe unten), Prozesshandbuch für Hospiz- und Palliativeinrichtungen sowie Prozesshandbuch Akutgeriatrie/Remobilisation (siehe Links in den Info-Boxen) – angeboten.

Zuletzt aktualisiert: 23.08.2017

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