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Gewalt im Netz

Hasspostings und Beschimpfungen in den sozialen Medien bis hin zu regelrechten „Shit-Storms“ haben in erschreckender Art und Weise zugenommen, sowohl quantitativ als auch qualitativ, was die Intensität der Drohungen und Verletzungen betrifft.

Von Februar bis April 2015 führte die No Hate Speech Movement eine online-Erhebung durch, an der 6.601 junge Menschen teilgenommen haben. Ersten Ergebnissen zu Folge haben 83% der RespondentInnen Hass im Netz erlebt; LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender bzw. Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender), MuslimInnen und Frauen sind am häufigsten davon betroffen. 

Hass im Netz kann und darf nicht geduldet werden: Andauernde Beschimpfungen, Herabwürdigungen und Drohungen sind nicht nur rechtswidrig und verboten, sondern sie können das Selbstbewusstsein insbesondere von Frauen und Mädchen beeinträchtigen, Angst und Unruhe verursachen, krank machen und sogar zum Tod von Menschen führen.

Die Verzweiflung Betroffener kann so groß werden, dass sie als Opfer in den Selbstmord getrieben werden; verhetzende Botschaften können so weit gehen, dass Angehörige von Minderheiten oder diskriminierte Personen regelrecht gejagt und angegriffen werden.

Besonders wichtig ist es daher, dass Hasspostings nicht ohne Reaktion bleiben, dass sie gemeldet werden und dass entschlossene Schritte dagegen gesetzt werden.

Rechtlicher Rahmen

Hasspostings erfüllen häufig einen strafrechtlichen Straftatbestand und sind somit gerichtlich strafbar. Ebenso können persönliche Diffamierungen strafrechtlich relevant sein. In Betracht kommen eine Reihe von Delikten, von Verhetzung und Cyber-Mobbing, die mit dem Strafrechtsänderungsgesetz 2015 verschärft bzw. eingeführt wurden, über Üble Nachrede, Beleidigung bis hin zu Delikten nach dem Verbotsgesetz, das nationalsozialistische Wiederbetätigung unter Strafe stellt.

Auch kann unter Umständen eine Löschung eines Beitrages auf Facebook erzwungen und je nach den Umständen des Falls auch der Provider wozu u.a. BetreiberInnen der sozialen Medien Facebook, Twitter oder YouTube zählen, zur Verantwortung gezogen werden. Nähere Informationen dazu finden Sie hier.

Gerichtliche Entscheidungen räumen weiters denjenigen, die durch Hass- oder Schmäh-Postings verletzt werden, gegen die BetreiberInnen von Online-Foren Informationsrechte ein: Die Nutzerdaten der VerfasserInnen der Postings müssen bekannt gegeben werden; die Berufung auf das Redaktionsgeheimnis ist unzulässig.

Maßnahmen gegen Belästigung im Internet

  • In den meisten Sozialen Netzwerken, Foren und Messenger-Diensten können unerwünschte Personen gesperrt werden. Wenn die Belästigungen mit Anrufen oder Nachrichten erfolgen, kann die Änderung der Handynummer Abhilfe schaffen.
  • Auf belästigende Nachrichten nicht reagieren, keinesfalls darauf antworten!
  • Beweise sichern, Kopien/Screenshots von Nachrichten, Bildern oder Chats machen. Auch mit der kostenlosen fem:HELP-App können z.B. Nachrichten dokumentiert werden.
  • Den Betreiber der Webseite informieren: In den Saferinternet.at-Leitfäden für Soziale Netzwerke sind Tipps dazu zu finden.
  • Vorfälle, die illegal sein könnten, sollten den Behörden gemeldet werden; nimmt die Belästigung z. B. das Ausmaß einer beharrlichen Verfolgung an oder liegt eine gefährliche Drohung vor, die Polizei verständigen.
  • Meistens ist es eine große Erleichterung, Probleme mit einer Vertrauensperson zu besprechen oder auch (anonym) mit einer Beratungsstelle Kontakt aufzunehmen.
  • Der Schutz der Privatsphäre ist essentiell! Persönliche Daten (E-Mail-Adresse, Wohnadresse, Handynummer oder private Fotos) könnten missbräuchlich verwendet werden. Insbesondere Zugangsdaten müssen geheim gehalten und nur sichere Passwörter verwendet werden.

 Weitere Tipps und Informationen

Beratung und Unterstützung

Frauenhelpline gegen Gewalt

Die Frauenhelpline bietet an 365 Tagen im Jahr rund-um-die Uhr kostenlose telefonische Erst- und Krisenberatung für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, an. Sie kann vor allem eine Orientierungshilfe sowie psycho-soziale Krisenberatung bieten und gezielt an einschlägige Beratungsstellen weiter vermitteln.

Helpchat (Onlineberatung für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen): http://www.haltdergewalt.at/

Gewaltschutzzentren, Interventionsstelle Wien

Die Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen beraten und unterstützen Opfer häuslicher Gewalt bzw. von Gewalt im sozialen Nahraum. Gewalt in Beziehungen beschränkt sich nicht auf körperliche oder sexuelle Übergriffe, – sie umfasst immer öfter auch Cybergewalt. Die Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen bieten insbesondere auch Schutz und Unterstützung in Fällen von (Cyber-)Stalking.

Frauen- und Mädchenberatungseinrichtungen

Frauenverachtende Postings, die das Geschlecht abwerten und bis zu Vergewaltigungsphantasien bzw. –wünschen reichen, sind keine Seltenheit. Die Frauenberatungs- bzw. – servicestellen stehen aufgrund Ihres ganzheitlichen Beratungsangebotes allen Hilfe und Beratung suchenden Frauen für alle Problemlagen zur Verfügung. Auch wenn sie nicht spezifisch auf Gewalt im Netz ausgerichtet sind, verfügen sie doch über große Erfahrung mit den Auswirkungen von physischer und psychischer Gewalt, und können daher auch Opfern von elektronischen Übergriffen kompetente psychosoziale Unterstützung bieten.

Österreichweite Onlineberatung

Der Verein Frauen beraten Frauen bietet Onlineberatung mit einem webbasierten datensicheren System, auf Wunsch auch anonym.

MonA-Net

ist ein Online-Netzwerk, das vor allem Mädchen und junge Frauen in ganz Österreich anspricht und ihnen die Möglichkeit gibt, sich hier zielgruppengerecht zu informieren.

Rat auf Draht

bietet Beratung für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen, für alle Themen, die Kinder und Jugendliche betreffen. Die Beratung erfolgt entweder telefonisch (rund um die Uhr – ohne Vorwahl – unter der Notrufnummer 147) oder online.

fem:HELP-App

Die kostenlos zur Verfügung gestellte fem:HELP-App für Android-Handys und iPhones kann vor allem bei der Dokumentation von elektronischen Übergriffen hilfreich sein, erleichtert die Speicherung von Droh- und Schmähbotschaften und damit die Beweis-sicherung. Überdies stellt sie in kurzen Beiträgen die wesentlichsten Informationen über den sicheren Umgang mit dem Internet, über Cyber-Mobbing sowie Sexting bereit; Links führen zu weiteren Informationsangeboten und Hilfseinrichtungen.

Weitere Informationen

HELP.gv.at

ist eine Drehscheibe zwischen Behörden und Bürgerinnen/Bürgern, über die u.a. auch übersichtliche Kurzinformationen betreffend Netz-Sicherheit und Schutz vor Cyber-Mobbing angeboten werden.

Das IKT-Sicherheitsportal

ist eine interministerielle Initiative in Kooperation mit der österreichischen Wirtschaft. Über dieses Portal sind Ratschläge für den sicheren Umgang mit dem Internet abrufbar, z.B. Empfehlungen für Eltern im Hinblick auf die Internet-Nutzung ihrer Kinder.

Saferinternet.at

unterstützt vor allem Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrende beim sicheren, kompetenten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien.

Stopline

ist die Meldestelle im Internet, an die sich InternetnutzerInnen - auch anonym - einfach und unbürokratisch wenden können, wenn sie auf Webseiten mit kinderpornografischen oder gegen das Verbotsgesetz verstoßenden Inhalten stoßen.

ZARA – Zivilcourage und Antirassismus-Arbeit stellt mit „CounterACT – Aktiv gegen Hass und Hetze im Netz“ Informationen, Tools und Handlungsanleitungen zur effektiven Bekämpfung von Hass und Hetze im Internet bereit. Darüber hinaus gibt die Plattform einen Überblick über Initiativen, Kampagnen, Bildungsarbeit und Forschung zum Thema Hass im Netz.

Initiativen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene

Die „Initiative gegen Gewalt im Netz“ wurde von der österreichischen Bundesregierung am 5. Juli 2016 im Ministerrat beschlossen; das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen trägt diese Initiative gemeinsam mit anderen Ressorts mit. Die geplanten Maßnahmen der Bundesregierung umfassen unter anderem Leitfäden und Informationen zum Umgang mit Hasspostings auch in Bezug auf Entschädigungsmöglichkeiten nach dem MedienG, die Entwicklung einer entsprechenden Anlaufstelle, die Schaffung unbürokratischer Melde- und Anzeigemöglichkeiten, sowie die Sensibilisierung und Fortbildung im Bereich Polizei/Staatsanwaltschaft und Gericht zur konsequenten Strafverfolgung.

Die 2013 vom Europarat initiierte Jugend-Kampagne "No Hate Speech Movement" hat es sich zum Ziel gesetzt, Hassreden im Internet zu bekämpfen und junge Menschen dabei zu unterstützen, sich online wie offline für ein respektvolles Miteinander einzusetzen. Sie weist auf die Gefahren von Hassreden für die Demokratie und für den einzelnen Menschen hin und zeigt Möglichkeiten im Umgang mit Hassreden im Netz auf; die Kampagne wird vom BMJF unterstützt.

Verhaltenskodex gegen Hass und Gewalt im Netz

Im Mai 2016 hat die Kommission der EU gemeinsam mit Facebook, Microsoft, Google (You Tube) und Twitter einen Verhaltenskodex gegen Hass und Gewalt im Netz präsentiert; dieses Dokument hat auch dazu beigetragen, nationale Aktivitäten zu forcieren.