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Medizinisch begründet vermeidbare Aufenthalte

Ambulatory Care Sensitive Conditions (ACSC)
Analysen und Empfehlungen

Im internationalen Sprachgebrauch werden medizinisch begründet vermeidbare Aufenthalte als Ambulatory Care Sensitive Conditions (ACSC) bezeichnet. ACSC umfassen Erkrankungen, bei denen die stationäre Aufnahme durch Interventionen speziell in der Primärversorgung (PV) vermieden werden kann. Diese potenzielle Vermeidbarkeit bedeutet jedoch nicht, dass alle stationären Aufnahmen von Patientinnen/Patienten mit einer in den ACSC-Bereich fallenden Diagnose (hier kurz als „ACSC-Diagnose“ bezeichnet) zu verhindern wären, da auch andere Faktoren wie der Schweregrad der Erkrankung, Co-Morbiditäten und soziale Komponenten für eine Hospitalisierung entscheidend sein können.

Die Arbeitsgruppe (AG) für medizinische Themen legte im Jänner 2014 einen ersten Katalog zu ACSC vor, der für die Anwendung in Österreich empfohlen wird. Er beinhaltet folgende zwölf Krankheitsgruppen, womit ca. 250.000 stationäre Aufenthalte pro Jahr verbunden sind:

  • Diabetes mellitus mit Komplikationen
  • Hypertonie
  • Rückenschmerzen
  • Asthma bronchiale, COPD, Emphysem
  • Dehydratation und Gastroenteritis
  • Herzinsuffizienz
  • Erkrankungen der Atemwege
  • Dekubitus und Ulcus der Haut
  • Angina Pectoris
  • Grippe und Pneumonie
  • Osteoporose
  • HNO-Infektionen

Auswertungen und Analysen dazu führte die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) im Auftrag der AG für medizinische Themen durch, wobei die Daten differenziert nach Bundesländern, Geschlecht und Altersgruppen auf Basis der Diagnosen- und Leistungsdokumentation im Rahmen der Leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF) ausgewertet wurden.

Vorarlberg ist jenes österreichische Bundesland, das die geringste Krankenhaushäufigkeit (KHH) bei Diabetes mellitus ausweist. Dem Ansatz „Lernen vom Besten“ folgend wurde daher hier untersucht, ob und welche Interventionen im ambulanten Bereich gesetzt werden.

Die Einführung des Kardiomobils für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz in Salzburg wurde darüber hinaus hinsichtlich ihrer Auswirkung auf die „ACSC-KHH“ analysiert.

Die GÖG zog für diese Detailanalysen zusätzlich Daten der Statistik Austria heran und führte eine Internetrecherche durch. Die auf Ebene der Versorgungsregionen von den Ländern (Vorarlberg, Niederösterreich und Tirol) gestalteten Regionalanalysen basieren auf erweiterten ÖSG-Monitoring-Auswertungen zu Krankenhaushäufigkeit, Bettendichte und Ärztedichte, die die GÖG zur Verfügung stellte, sowie auf Länder-Erhebungen, die direkt im jeweiligen Bundesland durchgeführt wurden.

Nationale wie internationale Studien und die durchgeführten Analysen zeigen insgesamt multifaktorielle Einflussfaktoren auf die „ACSC-KHH“, wobei diese Faktoren schwer quantifizierbar sind und nicht verallgemeinert werden können. Daher können auch keine allgemeinen Vorschläge zur Senkung der „ACSC-KHH“ abgeleitet werden. Ebenso wenig kann ein Zielwert vorgegeben werden.

Anzuraten sind regionale Analysen bei Auffälligkeiten von entitätsspezifischen „ACSC-KHH“ durchzuführen. Dazu sollten Kontakte mit Vertretern/Vertreterinnen aus dem intra- und extramuralen Bereich aufgenommen werden, um die Versorgung im Kontext spezifischer Krankheitsgruppen  gemeinsam aufzuarbeiten.

Wie am Beispiel des Kardiomobils in Salzburg gezeigt werden konnte, eigenen sich ACSC auch zum Monitoring von Interventionen.

Wird ab dem Jahr 2016 die Auswertung von Patientenkarrieren unter Nutzung des Pseudonyms möglich, können spezifischere Aussagen zu ACSC getroffen werden.

Sollte im DIAG (Dokumentations- und Informationssystem für Analysen im Gesundheitswesen) ein ACSC-Würfel (spezielle Applikation zur standardisierten Auswertung) implementiert werden, dann erhalten Länder und Sozialversicherung die Möglichkeit, die „ACSC-KHH“ im Zeitverlauf (Monitoring) weiterhin zu beobachten.

Zuletzt aktualisiert: 02.09.2015

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