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Maßnahmen im Bereich antimikrobieller Resistenzen (AMR)

Hintergrundinformation zu antimikrobiellen Resistenzen

Antimikrobiell wirksame Mittel sind unverzichtbare Therapeutika zur Behandlung von Infektionskrankheiten bei Mensch und Tier. Wie bei jeder anderen Anwendung von Arzneimitteln, ist auf die sorgsame Anwendung dieser Wirkstoffe zu achten. Viele antibiotische Substanzen werden auch natürlicherweise von Mikroorganismen produziert, um konkurrierende Bakterien zu verdrängen und sich einen Vorteil zu verschaffen. Um Schaden durch antimikrobiell wirksame Substanzen zu vermeiden, haben Mikroorganismen Abwehrmechanismen ausgebildet. Die antimikrobielle Resistenz stellt also ein natürliches Phänomen dar. Ein Kontakt mit antimikrobiell wirksamen Substanzen kann die Selektion resistenter Mikroorganismen fördern. Durch nicht zielgerichtete Anwendung von Antibiotika wird die Gefahr der Entstehung und Weiterverbreitung von Antibiotikaresistenzen erhöht: unkritische Verschreibung von antimikrobiell wirksamen Substanzen sowie Fehler bei der Anwendung und der Dauer der Therapie fördern die Resistenzentwicklung.

Resistenzen bei Krankheitserregern haben unmittelbare Auswirkungen auf die Gesundheit bei Mensch und Tier, weil die Wirksamkeit der Antiinfektiva nachteilig beeinflusst werden kann und damit die Therapie von Infektionskrankheiten sowohl bei Mensch als auch beim landwirtschaftlichen Nutztier oder beim Heim- und Kleintier erschwert wird. Das Zurückdrängen von Resistenzen führt zur Verbesserung der Versorgungsqualität der Patientinnen und Patienten, zu Vermeidung von persönlichen Leiden und es wird zusätzlich ein finanzieller Einsparungseffekt im Gesundheitswesen erzielt.

9. Europäischer Antibiotikatag

Der Europäische Antibiotikatag (European Antibiotic Awareness Day, EAAD) ist eine europäische Initiative zur Förderung der öffentlichen Gesundheit und findet seit 2008 jährlich am 18. November statt.

Der Europäische Antibiotikatag dient der Wissensvertiefung in den betroffenen Fachgruppen (z.B. Ärztinnen und Ärzte, Tierärztinnen und Tierärzte, Pflegepersonal, ApothekerInnen, TierhalterInnen) sowie in der Bevölkerung hinsichtlich des verantwortungsvollen Gebrauchs von antimikrobiell wirksamen Substanzen: Der gezielte Einsatz des richtigen Antibiotikums über die richtige Zeitdauer ist mehr denn je das Thema der Zeit. Die Vermeidung von Infektionen mittels verbesserter Hygiene ist eine weitere vorrangige Strategie in der Bekämpfung der Antibiotikaresistenz.

Aktivitäten des BMGF im Bereich antimikrobieller Resistenzen

Im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF) koordiniert die Antibiotika-Plattform die Arbeiten der Human- und Veterinärmedizin. In der Plattform werden jedenfalls der jährliche nationale Resistenzbericht AURES sowie die Arbeiten der beteiligten Sektoren besprochen.

Der gemeinsame Nationale Aktionsplan zur Antibiotikaresistenz (NAP-AMR) wird seit 2013 umgesetzt.

Erklärtes Ziel ist es, gemeinsames Bewusstsein, gemeinsames Verständnis und gemeinsames Auftreten zu fördern:

  • Lösungsansätze zur Verminderung der Resistenzproblematik müssen Maßnahmen im extra- und intramuralen Bereich (niedergelassenen Bereich, Krankenanstalten) und im Veterinärbereich sowie im Lebensmittelsektor inkludieren.
  • Vorrangiges Ziel muss es sein, die Entstehung und Ausbreitung von Resistenzen gegen antimikrobiell wirksame Arzneimittel nachhaltig zu vermindern. Dies erfordert einen sachgerechten Einsatz von Antiinfektiva und die konsequente Anwendung von Hygiene.
  • Strategische Ziele sind die Koordination der Aktivitäten, die Stärkung der Surveillance-Netzwerke, die Umsetzung von Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung der Ausbreitung von resistenten Erregern durch die Bereitstellung nötiger Strukturen sowie die Förderung der umsichtigen Verwendung von Antiinfektiva.
  • In der Bevölkerung muss durch ständige Aufklärungsarbeit das Bewusstsein für die von Resistenzen gegen antimikrobiell wirksame Arzneimittel ausgehende Gefahr sowie deren Folgen für die öffentliche Gesundheit gefördert werden.

Zulassung und Marktüberwachung von Arzneispezialitäten (Humanarzneispezialitäten, Arzneispezialitäten für Tiere) durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen und andere in Europa tätigen Zulassungsbehörden:

Im Rahmen des Zulassungsverfahrens einer Arzneispezialität (und damit auch einer antimikrobiell wirksamen Arzneispezialität) überprüfen die ExpertInnen der jeweils zuständigen Zulassungsbehörden die Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität der zur Zulassung angemeldeten Arzneispezialität und entscheiden nach vorliegendem Nutzen-Risiko-Profil über die Zulassung der Arzneispezialität. Bei einer Tierarzneispezialität wird bei der Beurteilung das Umweltrisiko mitberücksichtigt.

Nach der Zulassung erfolgt eine proaktive Überwachung der Arzneispezialitäten (Pharmakovigilanz).

Das BMGF stellt sich der Herausforderung:

Im Jahr 2013 wurde der Nationale Aktionsplan zur Antibiotikaresistenz (NAP-AMR) veröffentlicht, welcher die europa- und weltweiten Vorgaben zu einem bewussten Umgang mit Antibiotika reflektiert. Er umfasst sowohl humanmedizinische Belange als auch tierärztliche Tätigkeiten, die Tierhaltung, die Lebensmittelkette und die Umwelt.

Das Ziel des NAP-AMR ist es, die Entstehung und Ausbreitung von antimikrobiellen Resistenzen nachhaltig zu vermindern, um die Wirksamkeit der vorhandenen antimikrobiellen Substanzen zu erhalten und – wo möglich – die Qualität der antimikrobiellen Therapien zu fördern.

Durchgeführte Maßnahmen im Bereich Humanmedizin:

  • Bereits im Jahr 2002 wurde die 1. Auflage von PROHYG (= Organisation und Strategie der Krankenhaushygiene) herausgegeben. Um der Weiterentwicklung Rechnung zu tragen wurde vom Ressort eine Neuauflage initiiert. PROHYG 2.0 wurde unter Federführung des Ministeriums durch ein österreichweites interdisziplinäres und interprofessionelles Team von Expertinnen und Experten aus Praxis und Wissenschaft zur Unterstützung der Hygieneteams in den Krankenanstalten erstellt und im Jahr 2011 finalisiert. Das Arbeitsprogramm zur Umsetzung des Bundes-Zielsteuerungsvertrages (B-ZV) Zielsteuerung-Gesundheit (Gesundheitsreform 2013) beinhaltete u.a. den Auftrag auf Grundlage von PROHYG 2.0 einen Standard gemäß Gesundheitsqualitätsgesetz zu entwickeln. Der Standard wurde 2016 auf der Website des Ressorts veröffentlicht: Qualitätsstandard Organisation und Strategie der Krankenhaushygiene.
  • Im Jahr 2003 wurde vom Ressort das Nationale Referenzzentrum für nosokomiale Infektionen und Antibiotikaresistenz (NRZ) eingerichtet. Die Standorte waren in WIEN – Schwerpunkt: Gesundheitssystem-assoziierte Infektionen (HAI) – und LINZ – Schwerpunkt: Antibiotikaresistenzen (AMR).
  • Seit 2003 wurden in Österreich verschiedene Netzwerke errichtet, die die Erfassung von HAI (der Begriff "nosokomial" wurde durch "Gesundheitssystem-assoziiert" bzw. healthcare associated infections "HAI" ersetzt) auf freiwilliger Basis in Krankenanstalten ermöglichen. Im Juli 2006 wurde vom Gesundheitsressort die rechtliche Basis für die Überwachung von HAI durch ein dem Stand der Wissenschaft entsprechendes Surveillance-System geschaffen. Mit dem BZ-V aus dem Jahr 2013 erging der Auftrag zur Festlegung einer bundesweit einheitlichen Erfassung von nosokomialen Infektionen und antimikrobiellen Resistenzen.
    • Das BMGF, in Zusammenarbeit mit namhaften Expertinnen und Experten, entwickelt dafür ein gesamtösterreichisches, elektronisches Erfassungssystem für HAI in Krankenanstalten: "A-HAI" (Austrian Healthcare Associated Infections). Hier werden die Daten von Indikatoroperationen aus den österreichischen Krankenanstalten gesammelt und qualitätsgesichert ausgewertet.
    • Im Bereich der antimikrobiellen Resistenzen wurde 2016 vom BMGF die IT-Anwendung "AUREA" fertiggestellt. Diese Datenbank dient der Erfassung der Resistenzdaten der wichtigsten Erreger in Österreich. Die nationalen Resistenzdaten werden von mikrobiologischen Laboren auf freiwilliger Basis für die Teilnahme am europäischen Netzwerk zur Sammlung von Resistenzdaten "EARS-Net" (European Antimicrobial Resistance Surveillance Network) bereits seit ca. 10 Jahren übermittelt. Durch "AUREA" wird die Möglichkeit geboten das Datenmanagement erheblich zu vereinfachen.
  • Unter Koordination des NRZ Linz begannen mit Oktober 2010 die österreichischen mikrobiologischen Labors, welche an EARS-Net teilnehmen, auf die europäische Norm EUCAST (European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing) umzustellen. Diese Umstellung wurde 2012 erfolgreich abgeschlossen. EUCAST definiert europaweite Standards zur Bestimmung der Wirksamkeit von Antibiotika im Einsatz gegen bakterielle Infektionen in der Humanmedizin.
  • Weiters beteiligt sich Österreich seit über 10 Jahren am europäischen Netzwerk zur Sammlung von Antibiotikaverbrauchsdaten "ESAC-Net" (European Surveillance of Antimicrobial Consumption Network). Bisher wurden die Verbrauchsdaten aus dem niedergelassenen Bereich, die vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger zur Verfügung gestellt werden, an ESAC-Net weitergeleitet. Zusätzlich entwickelt das BMGF ein elektronisches System für eine österreichweit einheitliche Erfassung der Antibiotikaverbrauchsdaten auch in Krankenanstalten.
  • Seit 2005 werden die Resistenzdaten aus dem Human- und Veterinärbereich und die Antibiotikverbrauchsdaten aus dem niedergelassenen Bereich jährlich im AURES (= Österreichischer Resistenzbericht) erfasst. Der aktuelle AURES (jeweils für die Daten des Vorjahres) wird auf der BMGF-Website im November veröffentlicht.
  • Seit 2015 wird vom BMGF ein nationaler Bericht über HAI veröffentlicht. In diesem Bericht werden die Daten aus den Netzwerken ANISS (Austrian Nosokomial Infection Surveillance System) und ASDI (Österreichisches Zentrum für Dokumentation und Qualitätssicherung in der Intensivmedizin) veröffentlicht. Sobald das Überwachungssystem A-HAI den Vollbetrieb aufnimmt, können die Daten weiterer Netzwerke (z.B. KISS=Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System und NISS=Nosokomiales Infektions-Surveillance-System) in den Bericht aufgenommen werden.
  • 2015 hat das NRZ Wien im Auftrag des Ressorts eine Punkt-Prävalenz-Studie mit dem Ziel Gesundheitssystem-assoziierten Infektionen sowie die Anwendung von Antibiotika zu erheben durchgeführt. Die Beteiligung an dieser Studie erfolgte auf freiwilliger Basis. Es nahmen 51 österreichische Krankenanstalten (45 Akutkrankenanstalten und sechs Rehabilitationszentren, die als Krankenanstalten geführt werden) daran teil. Die Infektionsrate zu HAI lag bei 5,3%.
  • Seit Jänner 2015 wird die Diagnostik und Surveillance von Carbapenemase produzierenden gramnegativen Bakterien in Österreich am NRZ Linz unterstützt. Der Ratgeber für Ärztinnen und Ärzte und mikrobiologische Labore im Erkennen, Kontrollieren und Therapieren von multiresistenten Keimen (CPE-Ratgeber – Carbapenemase produzierende Enterobakterien) wird vom NRZ Linz zur Verfügung gestellt.
  • Im Jahr 2016 erstellt das BMGF einen Qualitätsstandard zur Verbesserung des Gebrauches von antimikrobiellen Substanzen (Antimicrobial Stewardship Programme/ASP) gemäß Gesundheitsqualitätsgesetz.
  • Österreich nimmt an der WHO-Kampagne zur Händehygiene "Clean care is safer care" teil, hat die entsprechende Selbstverpflichtungserklärung unterschrieben und führt nationale Konferenzen zum Internationalen Tag der Händehygiene durch, um das wichtige Thema zu promoten und die Vernetzung des Gesundheitspersonals in dieser Hinsicht zu fördern.

 

Durchgeführte Maßnahmen im Bereich Veterinärmedizin:

  • Im Mai 2006 wurde durch die Bundeskommission für Zoonosen die Einrichtung einer Antibiotikaresistenz-Arbeitsgruppe, welche in enger Kooperation mit der Antibiotika-Arbeitsgruppe des Humanbereichs operierte, beschlossen.
  • Der österreichische Veterinäraktionsplan zur Bekämpfung der Antibiotika- Resistenz wurde unter Berücksichtigung des Aktionsplans der Europäischen Kommission, der Schlussfolgerungen des Europäischen Rates sowie den Empfehlungen des OIE (World Organization for Animal Health) erstellt.
    Antibiotikaresistenzen bei zoonotischen und kommensalen Bakterien werden seit 2014 gemäß Durchführungsbeschluss der Kommission 2013/652/EU auf Basis des von der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) bundesweit einheitlich erstellten Stichprobenplans überwacht. Dabei kommt ein einheitliches quantitatives Testsystem zur Anwendung (minimale Hemmkonzentration), der die internationale Vergleichbarkeit der Ergebnisse zulässt, mit Verwendung der epidemiologischen Cut-Off-Werte, um frühzeitig Resistenzentwicklungen zu erkennen, ohne dass diese sich schon auf die klinische Behandelbarkeit auswirken müssen. Das Antibiotikaresistenz-Monitoring 2016 bezieht sich in Übereinstimmung mit der harmonisierten Beprobungsstrategie der EU bei Geflügel (Masthuhn und Pute) auf E. coli, Campylobacter jejuni und ESBL/AmpC/Carbapenemase-bildende E. coli und deren Empfindlichkeit gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen. Weiter werden Resistenztestungen von Salmonellen, die aus den Bekämpfungsprogrammen von Legehennen, Masthühnern und Puten sowie gemäß VO (EG) Nr. 2073/2005 im Rahmen der Eigenkontrolle der Schlachthöfe gewonnen werden, durchgeführt. Außerdem werden im Einzelhandel Frischfleischproben von Masthähnchen gezogen und auf ESBL/AmpC/Carbapenemase-bildende E. coli untersucht. Die Ergebnisse der Resistenzüberwachung werden seit 2005 jedes Jahr gemeinsam mit den im Humanbereich erhobenen Daten im österreichischen Resistenzbericht (AURES) veröffentlicht.
  • Zur Erfassung von Antibiotika-Mengenströmen läuft derzeit ein europäisches Projekt "European Surveillance of Veterinary Antimicrobial Consumption (ESVAC)" zur Erhebung von Verkaufsdaten, an welchem auch Österreich teilnimmt. In der Veterinärmedizin werden in Österreich seit 2010 jährlich die Verkaufsdaten von Antibiotika erhoben.
  • Erweiterung der Mengenstromanalyse um flächendeckende Erhebung von Daten über die Mengen der im Veterinärsektor angewendeten antimikrobiellen Wirkstoffe unter Einbeziehung der tierärztlichen Hausapotheken (TÄ-HAPO). Zu diesem Zweck trat mit 15.04.2014 die Veterinär-Antibiotika-Mengenströme-Verordnung (BGBl. II Nr. 83/2014) in Kraft, welche die TÄ-HAPO in den Mittelpunkt stellt: Einkäufe sowie die Mengen abgegebener Veterinär-Antibiotika werden erfasst sowie in einem freiwilligen Teil die Möglichkeit eröffnet, auch die Antibiotika-Anwendung am Einzeltier in die bei der AGES eingerichteten Datenbank einzutragen. Zur Vereinfachung des Meldeprozesses können Abgabemeldungen auch über sogenannte "Meldestellen" gesammelt werden und in einem Vorgang an die Behörde übermittelt werden. Auch wurden die Aufzeichnungspflichten von hausapothekenführenden Tierärztinnen bzw. Tierärzte bei Warenein- und Ausgängen von Veterinär-Antibiotika präzisiert, um damit die behördlichen Kontrollen von Hausapotheken effizienter gestalten zu können.
  • Für den gesamten Geflügelsektor liegen in der PoultryHealthData (PHD) – Datenbank des Geflügelgesundheitsdienstes (QGV) Anwendungsdaten antimikrobieller Wirkstoffe in Österreich vor. Gespräche über die Weiterentwicklung des Gesundheitsmonitorings im Rinderdaten-Verbund (RDV) und die Entwicklung von privaten Praxismanagementsystemen, die ähnliche Anforderungen wie die PHD erfüllen, sind sehr vielsprechende Entwicklungen.
  • Leitlinien für einen verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika in der Veterinärmedizin im Sinne eines „prudent use“ wurden ausgearbeitet und im Sommer 2013 veröffentlicht. Ziel ist eine verstärkte Information von Tierärztinnen bzw. Tierärzten, um bei Verbesserung der Prophylaxe und Hygiene den Antibiotika-Einsatz zu reduzieren um die Resistenzsituation dahingehend zu beeinflussen, dass auch in der Zukunft deren Wirksamkeit gegeben ist. Durch den vollständigen Verzicht antibiotischer Leistungsförderer in der Nutztierfütterung seit dem Jahre 2005 wird ein wichtiger Beitrag zum vorbeugenden gesundheitlichen VerbraucherInnenschutz geleistet. Besonders die von der WHO als "Highest Priority Critically Important Antimicrobials" eingestuften Makrolide, Fluorchinolone, Cephalosporine der 3. und 4. Generation und Glykopeptide sollten nur im Einzelfall und unter strenger Indikationsstellung eingesetzt werden.
  • Seit mehr als 10 Jahren besteht der österreichische Tiergesundheitsdienst (TGD). In der Zielbestimmung der Tiergesundheitsdienst-Verordnung (TGD-VO, aktuell TGD-VO 2009, BGBl. II Nr. 434/2009) wurde festgelegt, dass ein TGD eine auf Dauer angelegte Einrichtung ist, welche das Ziel verfolgt, durch Beratung landwirtschaftlicher Tierhalterinnen und Tierhalter und Betreuung von Tierbeständen zur Minimierung des Einsatzes von Tierarzneimitteln beizutragen. Im TGD sind Bestimmungen über die Arzneimittelanwendung festgelegt, u. a. wurde der restriktive Einsatz sogenannter Reserveantibiotika bereits realisiert. Einige für die Humanmedizin bedeutende Antibiotika sind mit Mengenbeschränkungen bei der Abgabe und gegebenenfalls Setzung geeigneter objektivierbarer diagnostischer Maßnahmen belegt. Durch laufende Verbesserungen von Hygiene- und Managementmaßnahmen in Nutztierbetrieben wird der Einsatz von Antibiotika auf das notendige Maß reduziert. Im Geflügelsektor ist ein Aktionsprogramm für eine Verbesserung der Tiergesundheit bei minimalem Antibiotikaeinsatz angelaufen, durch welches der Anitbiotika-Einsatz wesentlich verringert werden konnte. Nachzulesen im QGV-Antibiotika Monitoring Report 2015 auf der Website www.qgv.at. Externe Schwerpunktkontrollen durch akkreditierte Firmen, die im Auftrag des BMGF durchgeführt werden, gewährleisten die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen im Hinblick auf den Arzneimitteleinsatz.
  • Die Kontrolle auf Rückstände von Tierarzneimitteln und Hormonen (gesetzeskonformer Einsatz von zugelassenen Arzneimitteln) erfolgt in Österreich auf Basis eines Nationalen Rückstandskontrollplans (NRKP). Es werden lebende Tiere (Rinder, Schweine, Geflügel), Frischfleisch von Rind, Schwein, Schaf, Ziege, Geflügel, Pferd, Farmwild, Wild aus freier Wildbahn und Erzeugnisse der Aquakultur sowie Milch, Eier und Honig auf Rückstände untersucht. Die stichprobenartige Kontrolle auf Rückstände bei Schlachttieren und beim Fleisch wird auf Basis eines jährlich aktualisierten Planes durchgeführt.
  • Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft (VET-Austria), abgeschlossen zwischen der Republik Österreich - vertreten durch das BMGF, der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der AGES werden seit Juni 2013 zusätzliche Projekte zur Ermittlung des Einsatzes von Antibiotika in Tierbeständen durchgeführt.

(4.11.2016)

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