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Primärversorgung: Gesundheitsreformumsetzungsgesetz 2017 in Begutachtung

Mit dem Gesetzesentwurf "Primärversorgung - Gesundheitsreformumsetzungsgesetz 2017" werden die Rahmenbedingungen für eine moderne und umfassende hausärztliche Versorgung durch Teams von ÄrztInnen, Pflege, TherapeutInnen etc. geschaffen. Im Vordergrund steht die Vernetzung der Gesundheitsberufe.

Gesundheitsministerin Rendi-Wagner: Bestmögliche Gesundheitsversorgung sicherstellen

"Wir wissen, dass in den nächsten Jahren viele HausärztInnen in Pension gehen werden, während gleichzeitig Lebenswartung, aber auch chronische Erkrankungen immer mehr zunehmen. Das stellt auch neue Herausforderungen an das Gesundheitssystem. Deswegen ist es für uns wichtig, dass wir die wohnortnahe medizinische Versorgung in Österreich gut aufstellen.

Ich möchte die bestmögliche Gesundheitsversorgung für die Menschen sicherstellen. Dazu gehören eine gute Erreichbarkeit, längere Öffnungszeiten und umfassende Leistungen. Die MedizinerInnen und die Gesundheitsberufe profitieren gleichzeitig von der Teamarbeit, können sich besser spezialisieren und leichter als bisher vernetzen und austauschen", betont Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner.

Die Eckpunkte des Entwurfs:

  • Regelungen über eine strukturierte Zusammenarbeit von Ärztinnen und Ärzten für Allgemeinmedizin mit verschiedenen Gesundheitsberufen wie z.B. Pflege, TherapeutInnen, Ernährungsberatung, Sozialarbeit etc. Im Vordergrund steht die Vernetzung (in Netzwerken oder Zentren)
  • Gesetzlich definierter Versorgungsauftrag:
    Insbesondere: mehr Leistungen, bessere zeitliche und örtliche Erreichbarkeit (längere Öffnungszeiten, auch zu Tagesrandzeiten). Mehr spezielle Leistungen (z.B. Ernährungsberatung), mehr Leistungen in der Prävention (z.B. Beratung zu gesunder Ernährung und Bewegung, Raucherberatung, etc.)
  • Regelungen, damit regional besser auf die jeweilige Bevölkerung eingegangen werden kann
    • Versorgungskonzept, das festlegt, welche Schwerpunkte in der medizinischen Versorgung, bei therapeutischen Angeboten (z.B. Kinder- und Jugendliche, Physiotherapie etc.) oder welche speziellen Angebote der Gesundheitsförderung erbracht werden
    • Neues Vertragsregime mit
      • bundesweitem Gesamtvertrag, der die Grundzüge regelt (z.B. Mindestleistungsspektrum)
      • mehr Flexibilität auf Ebene der Einzelverträge zwischen Kasse und Primärversorgungseinheit (um das Versorgungsangebot auf den regionalen Bedarf abzustimmen)
    • Moderne Honorierungsformen, um die Umsetzung der Versorgungsziele zu unterstützen
  • Regelungen, damit die bestmögliche Verschränkung mit den bestehenden Versorgungsstrukturen gelingt
    • Kassenärztinnen und Kassenärzte sollen zuerst gefragt werden
  • Regelung, um der Sorge Rechnung zu tragen, dass Großkonzerne die Versorgung dominieren könnten:
    • Primärversorgungseinheiten in Form von Ambulatorien nur mit gemeinnützigem Rechtsträger, z.B. Gemeinden, Anbieter gesundheitlicher Dienste.

Was bringt die neue Primärversorgung?

  • Bis  2025 gehen rund 60% der Hausärztinnen und Hausärzte in Pension. Lebenserwartung und chronische Erkrankungen nehmen immer mehr zu, die Spitalsambulanzen sind oft Erstanlaufstelle – es kommt zu langen Wartezeiten. Durch die Stärkung der ambulanten Versorgung durch die Arbeit im Team wird auch der/die Einzelne entlastet und die Möglichkeit sich zu spezialisieren, geboten.
     
  • Hausärzte arbeiten mit anderen Gesundheitsberufen Hand in Hand: Die Zusammenarbeit und Teamarbeit zwischen HausärztInnen und anderen Gesundheitsberufen wird gefördert. HausärztInnen behandeln und betreuen PatientInnen im Team gemeinsam mit der Pflege, PhysiotherapeutInnen, SozialarbeiterInnen oder ErnährungsberaterInnen u.a. Sie schließen sich, je nach Lage – ob in ländlichen Gebieten oder in der Stadt –, zu Netzwerken oder Zentren zusammen und bieten damit eine umfassende Gesundheitsversorgung an.
     
  • Jede Familie, jeder Mensch soll nahe an seinem Wohnort eine professionelle, moderne Gesundheitsversorgung vorfinden. Dabei geht es nicht nur um die reine Behandlung von Krankheiten, sondern die Gesundheitsversorgung wird mit der neuen Primärversorgung viel breiter gedacht: Hausärztinnen und Hausärzte und ihr Team unterstützen zum Beispiel beim Umgang mit einer chronischen Erkrankung wie Diabetes, arbeiten mit mobilen Pflegediensten zusammen oder koordinieren z.B. die Behandlung nach einem Krankenhausaufenthalt. Dadurch wird ein Mehr an Leistungen, nahe am Wohnort zu längeren Öffnungszeiten möglich. 

Beispiel einer Jungfamilie: Die ganze Familie wird umfassend betreut. Denn im Primärversorgungsteam arbeitet auch ein Kinderarzt, der sich den Problemen der Kleinen widmet. Es wird auch eine Stillberatung angeboten, die die Mutter mit dem Baby besuchen kann, während der Vater mit der älteren Tochter abklären lässt, ob die Mittelohrentzündung gut abgeheilt ist. Bereits während der Schwangerschaft konnte die Familie bei Unsicherheiten und Fragen von der Hebammenberatung profitieren. Hier sind Groß und Klein gut versorgt. 

  • Mit diesem Gesetz werden neue Wege in einem wichtigen Segment der Versorgung, nämlich in der hausärztlichen Versorgung, beschritten.

Pilotprojekt Primärversorgungszentrum Enns

Erst kürzlich hat in Enns eines der Pilot-Primärversorgungszentren eröffnet, wo genau dieses Konzept bereits umgesetzt wurde. Hier arbeiten vier Allgemeinmediziner, zwei Diplomkrankenschwestern, vier Ordinationsassistenten, ein Psychologe, zwei Physiotherapeuten sowie ein Zentrumsmanager Hand in Hand. Ergänzt wird das Team durch Teilzeitstellen für die Berufsgruppen der Diätologie, Ergotherapie, Logopädie, Geburtshilfe und Sozialarbeit.

Die Bevölkerung in Enns profitiert  von erweiterten Öffnungszeiten und einem vergrößertem Leistungsangebot. So ist das Zentrum von Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr und zusätzlich an zwei Tagen bis 21 Uhr geöffnet. Weiters ist die Ordination jeden dritten Samstagvormittag durch die Teilnahme am Hausärztlichen Notdienst besetzt. (21.4.2017)

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