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Cisgenesis - A report on the practical consequences of the application of novel techniques in plant breeding

Die im Auftrag des ehemaligen BMG verfasste Studie mit dem Titel "Cisgenesis - A report on the practical consequences of the application of novel techniques in plant breeding" wurde von DI Charlotte Leonhardt (Projektleiterin), Dr.in Alexandra Ribarits (Projektkoordination) und weitere Autorinnen und Autoren (siehe Studien-Impressum) von der AGES erstellt und erschien im Oktober 2012.

Zusammenfassung

In der Europäischen Union wird diskutiert, ob Pflanzen, die aus der Anwendung neuer Züchtungstechniken hervorgehen, als „genetisch veränderter Organismus" (GVO) gemäß den einschlägigen EU-Rechtsvorschriften zu definieren sind. Die Europäische Kommission hat dazu eine Reihe von Aktivitäten gestartet, um unter Einbeziehung von ExpertInnen die Fragen in diesem Zusammenhang zu klären. Derzeit befinden sich noch keine Produkte auf dem Markt, die durch die Anwendung von Techniken wie Cisgenetik, Oligonukleotid-gerichtete Mutagenese (ODM), Zink-Finger-Nukleasen (ZFN) und Agroinfiltration entwickelt wurden. Zukünftige Entwicklungen und daraus resultierende praktische Konsequenzen werden durch die Entscheidung der Gesetzgeber auf europäischer Ebene, wie diese Pflanzen zu bewerten sind, beeinflusst.

Die erwarteten Ergebnisse aus der Anwendung der Techniken sind klar definiert. Die Cisgenetik verwendet nur Gene aus kreuzbaren Arten, die unverändert in die Pflanze eingebracht werden. In der Pflanze dürfen sich nach der Übertragung keine Fremdsequenzen (z.B. Markersequenzen) finden. ODM und ZFN sind Techniken, die in erster Linie für eine punktgenaue Veränderung des pflanzlichen Erbmaterials verwendet werden; mittels ZFN können auch größere Sequenzabschnitte in die Pflanze eingebracht werden. Die Agroinfiltration wird für die vorübergehende Produktion von Proteinen in Pflanzen verwendet, wobei keine dauerhafte Veränderung des Erbguts angestrebt wird.

Alle neuen Techniken haben gemeinsam, dass ausschließlich pflanzeneigene oder auf herkömmliche Weise einkreuzbare Gene verwendet bzw. verändert werden. Aus diesem Grund kann das derzeitige Risikobewertungsverfahren (z.B. Risiken für die menschliche oder tierische Gesundheit, Umweltauswirkungen) von Fall zu Fall angepasst werden; mittels einer gründlichen molekularbiologischen Untersuchung muss der Nachweis erbracht werden, dass die Pflanze ausschließlich die gewünschte Veränderung beinhaltet. Grundsätzlich gelten die EFSA Dokumente für die Beurteilung von Lebensmitteln und Futtermitteln sowie für die Durchführung der Umweltrisikobewertung.

Es ist möglich, dass sich die erzeugten Pflanzen auf molekularer Ebene und in ihren Merkmalen (z.B. Inhaltsstoffe, Resistenzen, Blühbiologie) nicht oder kaum von traditionell gezüchteten unterscheiden. Für den Nachweis im Labor ist es immer notwendig zu wissen, an welcher Stelle im Genom eingegriffen wurde. Obwohl es bei entsprechender Information kein Problem darstellt, die Veränderung im Erbmaterial nachzuweisen, kann ihr Ursprung in vielen Fällen nicht festgestellt werden. Auch die Quantifizierung, die eine Voraussetzung für die Kennzeichnung nach den derzeit gültigen Vorschriften ist, kann im Einzelfall schwierig sein. Eine Rückverfolgbarkeit kann dann nur auf einer lückenlosen Dokumentation beruhen – der Einsatz einer bestimmten Technik muss aufgezeigt und nachfolgend ausgewiesen werden.

Die Einstufung der Pflanzen als GV/nicht-GV ist die entscheidende Frage im Hinblick auf die praktischen Auswirkungen der Anwendung der neuen Techniken in der Pflanzenzüchtung. Der Status der Pflanzen bestimmt die Markteinführung, die Risikobewertung, den Nachweis und die Rückverfolgbarkeit.

(06.11.2012)

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