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Studie: Synthetic Biology

Die im Auftrag des ehemaligen BMG verfasste Studie mit dem Titel "Synthetic Biology" ist von einem Autorenteam der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) unter der Leitung von Frau DI Dr. Alexandra Ribarits (AGES) erstellt worden und erschien 2014.

Zusammenfassung:

Der Bericht gibt einen Überblick über den aktuellen Status von Definitionen und zeigt den konzeptionellen Rahmen der synthetischen Biologie mit der Vielfalt von Akteuren, Hintergründen und Ansätzen. Ausgehend vom derzeitigen Stand der Wissenschaft und Technik sowie einer Abschätzung von Anwendungsmöglichkeiten werden Ansätze zur Risikobewertung und des Risikomanagements diskutiert. Der Bericht schließt mit Empfehlungen zum Handlungsbedarf. Die synthetische Biologie hat enormes Potenzial in den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen und wendet ingenieurwissenschaftliche Prinzipien wie Planung und Konstruktion an, um Organismen mit bisher nicht bestehenden Eigenschaften zu entwickeln und herzustellen. Dazu werden entweder in der Natur nicht vorkommende biologische Einheiten verwendet oder natürliche biologische Systeme gezielt zweckmäßig verändert. Ein Organismus kann neu aufgebaut werden, indem standardisierte Grundbausteine aus synthetisierter DNA zusammengesetzt werden („bottom-up“). Im umgekehrten Ansatz wird das Genom bis zum minimalen Satz von Genen, die das Leben unter definierten Bedingungen aufrechterhalten, verkleinert („top-down“) und anschließend durch das Hinzufügen von definierten synthetischen Elementen ergänzt. Aktuelle Anwendungen zielen auf die Erzeugung von Biokraftstoffen oder Pharmazeutika in Mikroorganismen ab. Diese werden in geschlossenen Systemen produziert, für die es zuverlässige Sicherheitsmaßnahmen gibt. Derzeit wird das Arbeiten mit synthetischen Organismen rechtlich durch das europäische Regelwerk für genetisch veränderte Organismen abgedeckt. Es wird aber notwendig sein, die künftigen Entwicklungen umfassend zu beobachten und mit einer angemessenen Risikoforschung zu begleiten. Da sich synthetische Organismen nicht nur durch ihre Eigenschaften, sondern auch in ihrer Fitness wesentlich von gegenwärtig existierenden unterscheiden können, müssen mögliche Auswirkungen auf Ansiedlung und Überleben in der Umwelt besonders beachtet werden. Die Verwendung von synthetischer Biologie in Pflanzen liegt deutlich hinter jener in Mikroorganismen zurück. Auf lange Sicht wird synthetische Biologie wahrscheinlich Pflanzen vor allem für den Einsatz im Bioenergie-Sektor hervorbringen. Tatsächlich können weitere Fortschritte der Technik aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten und ihres großen Potenzials derzeit nur bedingt vorhergesagt werden. Um vorausschauend handeln zu können, ist vorrangig ein Konsens über die in den Bereich der synthetischen Biologie fallenden Entwicklungen zu erreichen, um diese möglichst umfassend beobachten zu können. Dazu sind auch die Bemühungen um internationale Zusammenarbeit zu intensivieren. Wo notwendig, sind klare rechtsverbindliche Vorschriften und Kontrollmaßnahmen für Akteure zu definieren, die international hohen Standards entsprechen.

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