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West Nil Virus (WNV)

Was ist das West Nil Virus?

Das West Nil Virus gilt als Erreger von West Nil Fieber und wird, wie z. B. auch die Erreger von Malaria, Gelbfieber oder Dengue-Fieber durch Stechmücken (Gelsen) übertragen. Es ist nach dem Ort seiner Erstentdeckung, dem West-Nil-Distrikt in Uganda (Afrika) benannt. Vor 1999, dem Jahr, in dem es in die USA eingeschleppt wurde, kam das West Nil Virus nur in Teilen Südeuropas, Afrikas und Asiens vor. Heute findet es sich auch zunehmend in Mitteleuropa. Die Bedeutung des Klimawandels als Ursache für das Vordringen von „fremden“ Stechmückenarten in den Norden wird zwar diskutiert, als gesichert gilt jedoch, dass auch unsere „einheimischen“ Stechmücken-Arten zur Verbreitung des West Nil Virus beitragen.

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Wie wird das West Nil Virus übertragen?

Das natürliche Reservoir des West Nil Virus sind über 300 Vogelarten (z. B. Rabenvögel). Menschen und andere Säugetiere, insbesondere Pferde, gelten als Fehlwirte, die zwar erkranken können, denen aber für die Weiterverbreitung keine Bedeutung zukommt. Bei Vögeln erfolgt die Übertragung des West Nil Virus meist durch Mückenarten, die nur Vögel befallen. Die Übertragung auf den Menschen oder auf Pferde erfolgt durch Stechmücken.

Nicht übertragen wird das Virus durch zwischenmenschliche Kontakte wie Berührungen oder Küssen. Eine Übertragung durch Muttermilch, Blutprodukte und Spenderorgane ist möglich, aber sehr selten.

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Was ist das West Nil Fieber?

Als West Nil Fieber werden die vom West Nil Virus hervorgerufenen Krankheiten bezeichnet. Bei 80 % der Infizierten kommt es zu keinen Krankheitszeichen! Nur 20 % der West Nil Virus-Infektionen verlaufen symptomatisch, meist nur unter dem Bild eines grippalen Infektes (ein bis drei Wochen lang unspezifische Symptomatik mit Fieber, Abgeschlagenheit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Lymphknotenschwellung). Weniger als 1 % der West Nil Virus-Infektionen verlaufen unter Beteiligung des zentralen Nervensystems (ZNS) mit Hirnhautentzündung, Hirnentzündung oder kinderlähmungsähnlichen, schlaffen Lähmungen. Diese schweren Verläufe können auch zu bleibenden Schäden und zum Tod führen. Höheres Alter (ab 50 Jahre) und das Bestehen einer Immunsuppression stellen wesentliche Risikofaktoren für Verläufe mit ZNS-Beteiligung dar.

Krankheits-und Todesfälle an West Nil Fieber müssen in Österreich gemeldet werden (Verordnung zu West Nil Fieber).

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Wie äußert sich West Nil Fieber beim Menschen?

  • Milde Krankheitszeichen bei den Meisten.
    Nur einer von fünf Infizierten entwickelt Fieber, Kopfweh, Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Augenentzündungen, Lymphknotenschwellungen und gelegentlich fleckig-knotige Hautausschläge. Wie bei einem grippalen Infekt verschwinden die Krankheitszeichen nach wenigen Tagen oder mehreren Wochen.
  • Schwere Krankheitszeichen nur bei Wenigen.
    Circa einer von 150 Infizierten entwickelt eine schwere Infektion mit hohem Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit, Krämpfen oder Lähmungserscheinungen und sonstigen Nervenausfällen. Wie bei der Zeckenenzephalitis können Krankheitszeichen nach wenigen Wochen ausschleichen oder auf Dauer bleiben. Vereinzelte Fälle verlaufen tödlich.

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Wie lange ist die Inkubationszeit?

Erste Krankheitszeichen zeigen sich meist binnen 3 bis 14 Tagen nach dem Stich einer infizierten Mücke.

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Wie behandelt man West Nil Fieber?

Bei einer West-Nil-Virus-Infektion entwickelt jeder fünfte Infizierte eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung, das West-Nil-Fieber. Es gibt derzeit keine kausale Therapie einer WNV–Infektion. Bei schweren Verläufen ist meist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus mit Infusionen, Beatmungsunterstützung und Pflege erforderlich.

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Gibt es einen Impfstoff?

Es steht zurzeit für den Menschen kein Impfstoff zur Verfügung.

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Wie hoch ist mein Risiko, an West Nil Fieber zu erkranken?

Das Risiko, sich in Österreich anzustecken und an West Nil Fieber zu erkranken, ist sehr gering. Im Rahmen einer rückblickenden Untersuchung im Jahr 2012 wurden erste Fälle von in Österreich erworbenem West Nil Fieber bei drei PatientInnen dokumentiert (zwei im Jahr 2009, einer im Jahr 2010). Im Jahr 2012 wurden zwei aus Serbien "importierte" Erkrankungsfälle dokumentiert. In den Jahren 2011 und 2013 wurden in Österreich keine Humanerkrankungen an West Nil Fieber festgestellt. West Nil Virus wurde im Jahr 2013 bei einem verendeten Falken aus Niederösterreich und 2012 in Stechmücken aus dem Burgenland nachgewiesen. 2014 wurde die letzte humane West-Nil-Fieber-Erkrankung verzeichnet. Umgehend nach Bekanntwerden des Falls wurde eine Stechmücken-Surveillance durchgeführt, um genauere Informationen betreffend Vektorenauftreten zu erhalten und entsprechende Maßnahmen zu setzen.

Im Jahr 2014 wurden zum Ende der West-Nil-Virus-Saison EU-weit 210 Fälle gemeldet. Die meisten Fälle wurden in Serbien registriert (n=76). Neben Österreich mit einem Fall, wurden 2014 weiters von der Russischen Föderation 29, Italien 24, Rumänien 23, Israel 17, Griechenland 15, Bosnien Herzegowina 13, Ungarn 11 Fälle und von Palästina 1 Fall gemeldet Somit wurden 74 autochthone Fälle in der EU und 136 Fälle in Nachbarländern der EU registriert. Obwohl es derzeit keinerlei Hinweise für ein gehäuftes Auftreten des West Nil Virus in Österreich gibt, sollte bei ZNS-Symptomatik während der warmen Jahreszeit auch an die Möglichkeit dieser Virusinfektion gedacht werden. Dort, wo im Ausland Ausbrüche mit West Nil Fieber auftraten, hat sich gezeigt, dass einerseits Personen im Alter von über 50 Jahren und andererseits Personen, die sich viel im Freien aufhalten, überdurchschnittlich oft betroffen waren.

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Tipps, um Stechmückenstiche zu vermeiden

Gelsenstiche sind vor allem schmerzhaft und lästig. Mit einigen einfachen Maßnahmen kann man zumindest die Häufigkeit, mit der man gestochen wird, reduzieren. Stechmücken können wie bereits erwähnt auch Krankheitserreger übertragen: In Österreich ist dieses Risiko sehr gering, bei Urlaubsreisen kann es aber erhöht sein. Daher sollte man diese Vorbeugemaßnahmen gerade bei Reisen beherzigen.

  • Im Freien Insektenrepellentien auftragen: Schweiß und Kohlendioxid (der Atemluft) ziehen Stechmücken an.
  • Bei Stechmückenplage langärmelige Bekleidung tragen. Das gilt besonders in der Dämmerung, da viele Mückenarten in dieser Zeit aktiv sind.
  • Fenster und Türen mit Mückennetzen abdichten. Wenn viele Stechmücken unterwegs sind, helfen zusätzliche Moskitonetze über dem Bett. Lassen Sie die Schlafzimmerfenster notfalls nachts geschlossen.
  • Stechmücken legen ihre Eier in jede Wasseransammlung ab. In der eigenen Umgebung kann man die Gelsenmenge reduzieren, indem man zum Beispiel Regentonnen abdeckt und in Vogeltränken/Hundetränken zumindest wöchentlich das Wasser wechselt.
  • Bei Bauvorhaben ist die Stechmückenproblematik zu berücksichtigen. Falsch konzipierte Raumplanungs- und Wasserbauprojekte können zu Massenvermehrungen von Stechmücken führen.
  • Im Bereich der Landschaftsplanung sind Maßnahmen zur Eindämmung der Vermehrung von Stechmücken wie Reduktion von Nistplätzen oder – in besonderen Situationen – die gezielte Einbringung von Mitteln gegen Larvenbildung in Wasserreservoirs sinnvoll.

(2.9.2016)

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