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Zika-Virus

Das Zika-Virus gehört zur Familie der Flaviviren und wurde erstmals 1947 aus einem Rhesusaffen im Zika-Wald in Uganda isoliert. Das Virus wird vor allem durch Stiche infizierter Mücken der Gattung Aedes übertragen und galt bis vor einigen Jahren als unbedeutend. Ausgebreitet hat sich das das Zika-Virus seit dem Jahr 2015 in Brasilien, weiten Teilen Süd- und Mittelamerikas, USA (Florida und Texas), der Karibik, großen Teilen Südost-Asiens (u.a. Thailand, Vietnam, Philippinen) aber auch Ländern im Südpazifik und den Kapverdischen Inseln. Im Rahmen dieser großen Ausbrüche wurde der Zusammenhang einer Zika-Virus-Infektion während der Schwangerschaft mit dem erhöhten Risiko von Gehirnmissbildungen beim Ungeborenen festgestellt. Dieses Risiko gilt als wissenschaftlich gesichert. Derzeit werden weitere wichtige Aspekte zum Zika-Virus intensiv beforscht.

In Europa traten bisher nur importierte Fälle nach Auslandsaufenthalt und bei Reiserückkehrern auf. Weltweit haben 13 Länder Fälle von sexuell übertragenen Infektionen gemeldet.

Gebiete mit Zika-Virus-Infektionen und -Übertragung

Eine Karte der aktuell gemeldeten Übertragungsfälle sowie eine Liste mit Zika-Ansteckungsrisiko finden sie beim Europäischen Zentrum für Seuchenkontrolle (ECDC): Current Zika Transmission (ECDC)

Zika Virus Verbreitung, Quelle: ECDC

Aktuelles zu Zika-Infektionen

Zika-Virus-Risikoeinschätzung: ECDC (Update 28.10.2016)

Die Situation ist in den betroffenen Gebiete in Süd- und Mittelamerika, der Karibik und Südost-Asien derzeit unverändert.

USA/Florida: Seit Juli 2016 wurden auch aus Florida über 200 lokal durch Stechmücken übertragene Fälle gemeldet. Laut der lokalen Gesundheitsbehörde beschränken sich diese auf relativ kleine Gebiete in Miami-Dade County, Palm Beach County, Pinellas County, Broward County, Wynwood und Little River, jedoch einschließlich Miami Beach. Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt Schwangeren derzeit Reisen in alle Gebiete von Miami Dade County aufzuschieben. (Informationen und Karte: Florida, CDC - Centers for Disease Control and Prevention)

USA/Texas: Ende November 2016 wurden erstmals aus Brownsville (Cameron County) in Texas lokal durch Stechmücken übertragene Fälle gemeldet. Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt Schwangeren derzeit Reisen nach Brownsville aufzuschieben. (Informationen und Karte: Texas, CDC - Centers for Disease Control and Prevention)

Europa: In Europa traten bisher nur importierte Fälle bei Reise-Rückkehrenden auf.

Weitere Informationen dazu, finden Sie auf der Webseite der ECDC - epidemiologische Situation (13.1.2017)

Übertragung

Stechmücken

Das Zika-Virus wird durch Stechmücken übertragen, insbesondere durch die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti), die in den Tropen und Subtropen beheimatet ist. In Europa wurde diese Mücke bisher nur auf der portugiesischen Insel Madeira gefunden. Solange diese Mücke in Kontinentaleuropa nicht heimisch ist, ist eine Ausbreitung des Virus in Österreich sehr unwahrscheinlich. Eine Übertragung innerhalb Europas kann aufgrund der in Europa (Mittelmeer-Raum) heimisch gewordenen Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus), die derzeit als möglicher (wenngleich wenig potenter) Überträger in Verdacht steht, jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Mensch zu Mensch

Eine direkte Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus ist nachweislich durch sexuellen Kontakt möglich. Ebenso besteht ein Risiko der Weitergabe des Virus über Bluttransfusionen und Blutprodukte. Zika-Virus-RNA wurde inzwischen in Blut, Urin, Speichel, Samenflüssigkeit, Scheidenflüssigkeit, Menstrualblut und Muttermilch nachgewiesen. Es gibt allerdings bisher keine dokumentierten Übertragungen von Zika-Virus über Speichel, Urin und Muttermilch.

Symptome

Die Mehrheit der infizierten Menschen (bis zu 80%) zeigen keine Symptome. Die Erkrankung geht mit Fieber begleitet von Hautausschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Entzündung der Augenbindehaut und Erbrechen einher. Die Akutsymptome treten drei bis zwölf Tage nach einem infektiösen Mückenstich auf und halten bis zu einer Woche an.

Zika-Virus und Mikrozephalie bzw. Guillain-Barré-Syndrom

Die brasilianischen Behörden berichteten 2015 über einen starken Anstieg von Schädelmissbildungen bei Neugeborenen. Ein diesbezüglicher Zusammenhang mit einer durchgemachten Zika-Virus-Infektion während der Schwangerschaft gilt inzwischen als gesichert.

Ebenso konnte in den betroffenen Ländern ein vermehrtes Auftreten des sogenannten Guillain-Barré-Syndroms (GBS) mit einer durchgemachten Zika-Virus-Infektion in Verbindung gebracht werden.

Bei der fünften Konferenz am 18. November 2016 hat das Notfall-Komitee der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschlossen, dass der aktuelle Zika-Virus-Ausbruch keine "Internationale Notlage des Gesundheitswesens" mehr darstellt. Ein nachhaltiges Programm mit dedizierten Ressourcen soll umgesetzt werden, um die langfristige Natur der Zika-Virus-Infektion und die damit verbundenen Folgen zu erforschen. (WHO-Statement)

Diagnose

Das Zika-Virus kann bis zu drei Tagen nach Symptombeginn mittels RT-PCR im Blut nachgewiesen werden. Danach ist der Nachweis im Blut nur mittels Antikörpernachweis möglich. Auch im Urin kann das Virus in einigen Fällen bis zu zwei Wochen nach Symptombeginn nachgewiesen werden. Aufgrund der Ähnlichkeit der klinischen Symptomatik mit Dengue- und Chikungunya-Fieber und der größtenteils gemeinsamen Verbreitungsgebiete, sollte parallel auch stets auf diese beiden Virusinfektionen getestet werden. In Österreich gibt es die Möglichkeit zur Diagnose im Referenzzentrum für Arbo-Viren, Department für Virologie, Medizinische Universität Wien (Telefon +43 1 40160-65517).

Therapie

Es gibt derzeit weder eine Impfung noch eine medikamentöse Prophylaxe. Die Prävention beruht deshalb auf der Vermeidung von Mückenstichen.

Empfehlungen für Reisende in betroffene Gebiete

Für alle Reisende

  • Informieren Sie sich vor Reiseantritt in Ländern, in denen das Zika-Virus lokal übertragen wird, über den aktuellen Stand der Infektionen mit dem Virus: Countries with local Zika transmission.
  • Wenn Sie schwanger sind oder an einer schweren chronischen Krankheit bzw. Immunstörung leiden, lassen Sie sich hierfür von Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt oder von einer reisemedizinischen Einrichtung vor allem hinsichtlich Präventionsmaßnahmen beraten.
  • Schützen Sie sich mit folgenden Maßnahmen in geschlossenen Räumen und im Freien vor Stechmücken den gesamten Tag lang, vor allem aber während der Morgen- und Abenddämmerung, wenn die Tiere am aktivsten sind:
    • Verwenden Sie Insektenschutzmittel entsprechend den Anweisungen auf dem Etikett (Sonnenschutz vor Mückenschutz auftragen und entsprechend einwirken lassen).
    • Tragen Sie langärmlige Hemden und lange Hosen, vor allem zu der Tageszeit, in der Stechmücken am aktivsten sind (Imprägnieren Sie Ihre Kleidung mit Permethrin).
    • Schlafen oder ruhen Sie in abgeschirmten oder klimatisierten Räumen bzw. unter einem Moskitonetz, auch tagsüber.
  • Das Risiko einer sexuellen Übertragung von einer erkrankten Person (Mann oder Frau) kann durch die Verwendung eines Kondoms reduziert werden.

 Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch

  • Nach Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Europäischen Zentrum für Seuchenkontrolle (ECDC) wird Frauen, die schwanger sind oder unmittelbar eine Schwangerschaft planen, von vermeidbaren Reisen in Zika-Virus-Ausbruchsgebiete abgeraten, da das Risiko frühkindlicher Fehlbildungen besteht.
    Bei unvermeidbaren Reisen sollte auf ganztägigen konsequenten Mückenschutz geachtet werden.
  • Aufgrund des Risikos der sexuellen Übertragung wird auch empfohlen, eine geplante Schwangerschaft auf mindestens zwei Monate nach der Rückkehr der Frau und sechs Monate nach Rückkehr des Mannes aus einem Risikogebiet aufzuschieben. (Siehe Tabelle: "Empfehlungen der ECDC zum Sexualverhalten nach Reiserückkehr")

Empfehlungen für Rückkehrende aus den betroffenen Gebieten

  • Reisende, die innerhalb von zwei Wochen nach der Rückkehr aus einem betroffenen Gebiet Symptome entwickeln, die auf eine Infektion mit dem Zika-Virus hindeuten (z.B. Fieber oder Hautausschlag), sollten eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen und auf die Reise hinweisen.
  • Mittels Labordiagnostik kann ab drei Wochen nach Reiserückkehr durch spezifische Antikörper-Tests, eine durchgemachte Infektion festgestellt bzw. ausgeschlossen werden (nähere Auskünfte dazu, erhalten Sie beim Referenzzentrum für Arbo-Viren, Department für Virologie, Medizinische Universität Wien, Tel.: +43 1 40160-65517).

Empfehlungen der ECDC zum Sexualverhalten nach Reiserückkehr

 

Safer Sex (Kondom)

Geplante Schwangerschaft

 

Männer

Für 6 Monate nach Rückkehr aus Risikogebiet

Auf 6 Monate nach Rückkehr aufschieben

 

Unabhängig von Krankheitszeichen

Partner von schwangeren Frauen

Bis zum Ende der Schwangerschaft

 

Frauen

Für 2 Monate nach Rückkehr aus Risikogebiet

Auf 2 Monate nach Rückkehr aufschieben

 

  • Schwangere, die in Gebieten unterwegs waren, in denen das Zika-Virus übertragen wird, sollten nach Rückkehr ihre Frauenärztin oder ihren Frauenarzt darauf hinweisen, bei den Schwangerschaftsuntersuchungen auf eine mögliche Infektion zu achten.

Risikoeinschätzung für Österreich

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Reisende während eines Aufenthalts in betroffenen Ländern infizieren, ist gegeben. Eine relevante Verbreitung durch eingeschleppte Fälle in Österreich ist aufgrund der Abwesenheit der Gelbfiebermücke als Überträger nicht zu erwarten. Die Möglichkeit einer sexuellen Übertragung durch Reiserückkehrer ist gegeben und kann durch entsprechende Verhütungsmaßnahmen unterbunden werden.

Rapid Risk Assessment

Stechmückenüberwachung in Österreich

Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen wird seit 2011 österreichweit eine Stechmückenüberwachung von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) durchgeführt. Dabei werden Stechmücken auf Viren wie z.B. West-Nil-Virus, Dengue, Chikungunya und auch Zika überwacht. Das Zika-Virus wurde bisher noch nie nachgewiesen, einzelne Nachweise der potenziellen Überträgermücke (Aedes albopictus) gab es im Jahr 2012.

Gelsen-Monitoring der AGES

Weitere Informationen sind unter folgenden Links abrufbar:

(20.1.2017)

Zusatzinformationen: