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Frauenhandel

Menschenhandel ist eine gravierende Menschenrechtsverletzung, von der überwiegend Frauen und Mädchen betroffen sind. Gemeinsam ist den Frauen, die gehandelt werden, dass sie aus verarmten oder politisch instabilen Verhältnissen kommen. Meist können sie im Heimatland ihren Lebensunterhalt für sich und ihre Familien nicht sichern und werden dann oft mit falschen Versprechungen, wie Arbeitsangeboten oder Heiratsaussichten, ins Ausland gelockt oder mit Gewalt verschleppt. Da ihnen häufig nach der Einreise in das Zielland die Papiere abgenommen werden, ist eine Flucht für die meisten Frauen und Mädchen unmöglich.

Durch Freiheitsbeschränkungen, Drohungen gegen die Frauen selbst und/oder ihre Familienangehörigen etc. werden sie davon abgehalten, sich an die Polizei zu wenden. Sofern Betroffene nicht als Menschenhandelsopfer erkannt werden, müssen sie bei einem Aufgriff auch mit der Abschiebung in ihr Herkunftsland rechnen, was sie ebenfalls daran hindert, sich vertrauensvoll an die Behörden zu wenden.

Opfer von Menschenhandel haben jedoch Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung "besonderer Schutz", die von Amts wegen oder auf Antrag zu erteilen ist, sofern dies zur Strafverfolgung der Täter oder zur Geltendmachung von zivilrechtlichen Ansprüchen des Opfers notwendig ist. Aber auch unabhängig davon ist eine solche Aufenthaltsbewilligung möglich, wenn individuelle Gründe geltend gemacht werden können, dass die betroffene Frau besonderen Schutz benötigt.

Die Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel berät und unterstützt umfassend Frauen, die nach oder innerhalb von Österreich gehandelt wurden, um in der Prostitution oder in der Ehe, im Haushalt oder in anderen Tätigkeiten und Dienstleistungsverhältnissen (wie Reinigung, Tourismusindustrie, Landwirtschaft) ausgebeutet zu werden.

Zahlreiche bilaterale Abkommen über die polizeiliche Zusammenarbeit sehen unter anderem auch eine Kooperation bei der Bekämpfung des Menschenhandels vor. Derartige Ressort- und in einigen Fällen auch Regierungsübereinkommen bestehen insbesondere mit den Nachbarstaaten Österreichs, den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien und einer Reihe von weiteren osteuropäischen Staaten, sowie einigen afrikanischen, asiatischen und amerikanischen Staaten.

Auf EU- und internationaler Ebene wurden wichtige rechtliche Regelungen (Empfehlungen, Rahmenbeschlüsse, Konventionen etc.) erarbeitet, unter anderem durch das Übereinkommen des Europarats zur Bekämpfung des Menschenhandels (Council of Europe Convention on Action against Trafficking in Human Beings), das von Österreich 2006 ratifiziert wurde, sowie die EU-Richtlinie zur Verhütung und Bekämpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer vom 5. April 2011.

In der mit Ministerratsbeschluss vom 9. November 2004 im Außenministerium eingesetzten interministeriellen "Task Force Menschenhandel" wird die Thematik aus den verschiedenen Blickwinkeln der zuständigen Ministerien und gemeinsam mit unabhängigen Experten und Expertinnen erörtert. Darüber hinaus ist die Task Force um eine ständige Weiterentwicklung und Verbesserung der Maßnahmen gegen Menschenhandel bemüht.

Um dieses zu gewährleisten, hat die Task Force mittlerweile bereits vier Nationale Aktionspläne zur Bekämpfung des Menschenhandels ausgearbeitet, die in Folge von der Bundesregierung beschlossen wurden. Die Task Force verfolgt(e) und unterstützt(e) deren Umsetzung und erstellte zu den bereits abgeschlossenen ersten drei Aktionsplänen je einen umfassenden Bericht.

Ebenfalls unter ihrer Leitung wurde 2016 die Webausstellung „Menschenhandel - Sklaverei des 21. Jahrhunderts“ erstellt, die insbesondere zur Verwendung im Schulunterricht konzipiert wurde und kostenlos zur Verfügung steht.

Möglichkeiten der verbesserten regionalen Zusammenarbeit sollen mit der 2010 ins Leben gerufenen Regionalen Implementierungs-Initiative gegen Menschenhandel ausgelotet werden. Ziel ist die Entwicklung von Partnerschaften und Strategien im Kampf gegen Menschenhandel - mit einem Fokus auf Frauenhandel - unter Einbindung der österreichischen Nachbarländer.

Meldestelle Menschenhandel des Bundesministeriums für Inneres

Im Bundesministerium für Inneres, Bundeskriminalamt, ist eine bundesweite Meldestelle eingerichtet, an die Sie sich bei Verdacht auf Menschenhandel rund um die Uhr - auch anonym - wenden können.

Beratungsstellen

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