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Käthe Leichter-Preis

Die Historikerin und Filmemacherin Dr.in Helene Maimann wurde am 10. Oktober 2017 mit dem Käthe Leichter-Staatspreis geehrt. Überreicht wurde die Auszeichnung von Gesundheits- und Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner. Der Käthe Leichter-Staatspreis wird für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung in unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen verliehen.

Fünf weitere Käthe Leichter-Preise wurden gestiftet vom Bildungsministerium, vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und KonsumentInnenschutz, von der Arbeiterkammer und von der Österreichischen Nationalbank:

    • Dr.in Heidi Niederkofler (Preisträgerin des BMB)
    • Mag.a Käthe Knittler (Preisträgerin des BMWFW)
    • Mag.a Tamara Geisberger (Preisträgerin des BMASK)
    • Univ.-Prof.in Dr.in Nikita Dhawan (Preisträgerin der AK)
    • Assoz. Univ.-Prof.in Dr.in Elisabeth Greif (Preisträgerin der ÖNB)

Die Verleihung der Käthe Leichter-Preise 2017 fand gemeinsam mit der Verleihung des Lebenswerkpreises an Prof.in Elfriede Hammerl statt.

Fotogalerie: Käthe Leichter-Preisverleihung 2017

Käthe Leichter-Preisverleihung 2017

Mag.Tamara Geisberger, Dr.in Roberta Schaller-Steidl, Assoz. Univ-Prof.in Dr.in Elisabeth Greif, Dr.in Heidi Niederkofler, Bundesministerin Dr.in Pamela Rendi-Wagner, Mag.a Asiye Sel, Mag.Käthe Knittler, Mag. Walter Neubauer, Prof.in Elfriede Hammerl, Frauenstadträtin Sandra Frauenberger, Univ.-Prof.in Dr.in Gabriella Hauch (v.l.n.r.) (Foto: BMGF/BKA/Hans Hofer))

Über Käthe Leichter (1895 - 1942)

Käthe Leichter (Foto: wien bibliothek)

Dr.in Käthe Leichter (Foto: wien bibliothek)

Käthe Leichter war die erste Frauenreferentin der Arbeiterkammer und sowohl wissenschaftlich als auch politisch im Interesse der Frauen tätig. Sie war eine der interessantesten und bedeutendsten Frauen im politischen Leben der 1. Republik. 1895 als Tochter einer großbürgerlichen jüdischen Familie geboren, rebellierte Marianne Katharina Pick schon früh gegen die Konventionen ihrer Zeit: Sie schloss sich der bürgerlichen Jugendbewegung an und studierte als eine der ersten Frauen Staatswissenschaften und Nationalökonomie, schloss ihr Studium jedoch nicht in Österreich, wo Frauen noch nicht den Abschluss machen konnten ab, sondern in Deutschland. Heute gilt sie als erste Sozialwissenschaftlerin weltweit und als eine der wichtigsten Pionierinnen auf dem Feld der Frauenforschung.

Der Erste Weltkrieg und die Nachkriegsrevolutionen prägten die junge Wissenschaftlerin. Käthe Leichter engagierte sich ab nun aus voller Überzeugung in der Arbeiterbewegung. Sie glaubte fest an den Sozialismus und daran, die Befreiung des Menschen und damit auch die der Frauen selbst noch erleben zu können. Mit ihren umfangreichen Untersuchungen über das Leben von arbeitenden Frauen versuchte Käthe Leichter, die Frauen zu ermutigen, um ihre Gleichstellung in Beruf und Familie zu kämpfen. Ihre sozialpolitischen Erhebungen, beispielsweise über die Lage der Hausgehilfinnen, der Heim- und Industriearbeiterinnen sowie wie das Handbuch der Frauenarbeit in Österreich gehören zu den wichtigsten frauenrelevanten Publikationen der Zwischenkriegszeit. Neu an Käthe Leichters Erhebungen und Analysen war nicht nur, dass sie sich speziell mit der Situation von Frauen beschäftigten, sondern auch, dass sie auf den Erfahrungen von Frauen beruhten, von Frauen verfasst und herausgegeben wurden

Bis zuletzt gab sie die Hoffnung auf den Sieg ihrer Überzeugungen nicht auf. Sie ging nach dem Bürgerkrieg vom Februar 1934 zusammen mit ihrem Ehemann, dem Journalisten Otto Leichter, und den beiden Söhnen ins Schweizer Exil, um wenig später zurückzukehren und eine führende Rolle im Widerstand gegen den autoritären Ständestaat einzunehmen. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 verkannte Käthe Leichter ihre gefährliche Lage als jüdische Frau, widerständige Sozialdemokratin und Intellektuelle und blieb, um legal auszuwandern. Ende Mai 1938 verhaftete sie die Gestapo. Internationale Interventionen und Visas, die auf dem britischen und amerikanischen Konsulat auf sie warten, nützen nichts: Sie wurde Ende 1939 in das KZ Ravensbrück deportiert und im März 1942 ermordet.

Geschichte des Käthe Leichter-Preises

Der Käthe Leichter-Preis wird seit dem Jahr 1991 vergeben, wobei zunächst jährlich

  • jeweils ein Käthe Leichter-Preis Österreichischer Staatspreis für die Frauengeschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung von der Frauenministerin und dem Sozialminister sowie
  • jeweils ein Käthe Leichter-Preis für die Frauengeschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung von der Österreichischen Nationalbank und der Arbeiterkammer,

gestiftet wurde. Der Preis wurde zunächst im Rahmen der Internationalen Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung vergeben und geht auf dessen Gründer, Dr. Herbert Steiner, zurück. Er selbst war – wie Käthe Leichter – jüdischer Herkunft, dessen Eltern im Holocaust ermorden wurden. Er überlebte im Exil und war Mitbegründer des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes. Steiner gewann die damalige Frauenministerin Johanna Dohnal für die Realisierung des Käthe Leichter Preises, der 1991 zum ersten Mal vergeben wurde.

Nach einer Unterbrechnung von vier Jahren wurde die Verleihung des Käthe Leichter-Staatspreises für Frauen- und Geschlechterforschung 2005 wieder aufgenommen und bis heute fortgesetzt. Über hundert namhafte Wissenschaftlerinnen verschiedener Disziplinen wurden bisher mit den Käthe Leichter Preisen ausgezeichnet.

Informationen zum Käthe Leichter-Staatspreis

Der Käthe Leichter-Staatspreis für Frauenforschung, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt wird für hervorragende Leistungen um die Frauen- und Geschlechterforschung im Bereich der Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften wie auch um die Frauenbewegung und die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit, verliehen.

Der Käthe Leichter-Staatspreis für Frauen-, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt ist mit 5.000 Euro dotiert und wird vom für Frauenangelegenheiten zuständigen Regierungsmitglied verliehen.

Neben dem Käthe Leichter-Staatspreis werden weitere Käthe Leichter-Preise in der Höhe von je 2.500 Euro vom Bildungsministerium, vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und KonsumentInnenschutz, von der Arbeiterkammer und von der Österreichischen Nationalbank.

Die Nominierung sowie die Wahl der Preisträgerinnen erfolgt durch eine unabhängige Jury – es ist daher keine Eigenbewerbung möglich.

Die Jury setzt sich aus Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung, die auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechterforschung anerkannt sind, universitär und außeruniversitär, aus verschiedenen Disziplinen sowie maßgeblichen Persönlichkeiten der Interessenvertretungen der Arbeitnehmenden und anderer Preisstiftenden zusammen. 

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