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Entwicklung der Österreichischen Demenzstrategie: Gut leben mit Demenz

Österreichweite Demenzstrategie

Der demografische Wandel, damit einhergehende steigende Demenz-Prävalenzraten und ein in weiterer Folge ansteigender Betreuungs- und Pflegeaufwand, haben die österreichische Regierung dazu veranlasst, das Thema Demenz in ihr aktuelles Regierungsprogramm 2013 – 2018 unter dem Schwerpunkt "Länger gesund leben und arbeiten" aufzunehmen.

Die Entwicklung einer österreichweiten Demenzstrategie ist die erste, spezifische Maßnahme. Neben der Personengruppe der zu betreuenden Menschen stehen dabei auch die Angehörigen im Fokus.

Der Prozess zur Erarbeitung der Demenzstrategie, der in Kooperation mit dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz durchgeführt wird, ist auf eine breite Basis gestellt und bezieht von Beginn an Repräsentantinnen und Repräsentanten wichtiger Institutionen und Einrichtungen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen, der Wissenschaft, Interessenvertretungen und anderen Politikbereichen mit ein.

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Entwicklung der Demenzstrategie - Abschluss Dezember 2015

Am 14.12.2015 wurde der Abschlussbericht Demenzstrategie vorgestellt. Der Entwicklungsprozess der Demenzstrategie war breit angelegt. Er involvierte alle wichtigen Stakeholder, die maßgeblichen Einfluss auf die Umsetzung der Strategie haben. Sechs Arbeitsgruppen formulierten insgesamt 7 Wirkungsziele und 21 Handlungsempfehlungen. Diese bilden die gemeinsame Grundlage für die Konkretisierung von Zielen und Maßnahmen durch die jeweiligen Organisationen. Nach einer öffentlichen Konsultationsphase im Juli und August 2015, liegt der Abschlussbericht Demenzstrategie aus insgesamt 18 Arbeitsgruppen-Workshops vor. Die Umsetzung erster Maßnahmen soll bereits 2016 beginnen.

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Präsentation der Ziele - Februar 2015

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung "Gut leben mit Demenz" am 11. Februar 2015 wurden die Ziele, die wichtigsten Handlungsfelder und der Prozess zur Entwicklung der Demenzstrategie einem breiten Publikum aus Politik, Interessensvertretungen und Berufsverbänden vorgestellt und diskutiert.

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Steigende Anforderungen brauchen einen klaren Orientierungsrahmen

In Österreich sind etwa 1,15 bis 1,27 Prozent der Bevölkerung an Demenz erkrankt, was einer Gesamtzahl von rund 100.000 Personen entspricht. Mit zunehmendem Alter nimmt auch die Prävalenz stark zu. Im Zuge der demografischen Alterung ist daher – ausgehend von einem kontinuierlichen Anstieg der Prävalenzraten seit 1960 – mit einem weiteren starken Anstieg der Zahl der Betroffenen zu rechnen.

Für diese gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist ein gemeinsamer Orientierungsrahmen für eine zielgerichtete Kooperation zwischen diesen Stakeholdern besonders wichtig. Die ressortübergreifende Zusammenarbeit ist auch im Sinne der österreichischen Rahmen- Gesundheitsziele, bei denen "Health in All Policies" ein zentrales Anliegen darstellt.

Das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz ist in Österreich auf Bundesebene für die Aspekte der Krankenversorgung und Prävention bei Demenz zuständig, ebenso für Geldleistungen für Langzeitpflege wie Pflegegeld und Pflegefonds. Langzeitbetreuung und -pflege von Menschen mit Demenz liegen im Kompetenzbereich der Bundesländer. In der Versorgung der an Demenz erkrankten Menschen tragen auch die Bundesländer sowie die Sozialversicherung große Verantwortung.

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Zielorientierte Erfolge auch mit knappen Budgets

Bund, Länder und Sozialversicherungen sowie zahlreiche Einrichtungen und Organisationen setzen bereits Maßnahmen für Prävention und Versorgung von Menschen mit Demenz. Wenn sich dieser Einsatz an einer gemeinsam von Akteuren aller Politikbereiche erarbeiteten Demenzstrategie orientieren kann, werden finanzielle Mittel und Kräfte gebündelt. So können auch mit knappen Budgets Erfolge erzielt werden.

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Demenz enttabuisieren und früher erkennen

Betroffene und deren soziales Umfeld vermeiden auch aus Angst vor Stigmatisierung und einschränkenden Maßnahmen (wie z.B. Führerscheinentzug) eine frühzeitige Abklärung und somit frühzeitige Behandlung.

Menschen mit Demenz sind in der Lage zu und haben auch das Bedürfnis nach Selbstbestimmung. Gesellschaftlich ist dafür ein Einstellungswandel notwendig, der zu einer Überwindung der Stigmatisierung von Demenz und zu einer sozialen Integration im öffentlichen Raum führt.

Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung, Sensibilisierung, Aufklärung, Enttabuisierung des Themas Demenz sowie Entstigmatisierung von Erkrankten soll die Integration von Menschen mit Demenz in das soziale Leben stärken und Früherkennung fördern.

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Von der medizinischen zur psychosozialen Perspektive

Demenz wird primär als medizinisches bzw. neurologisch-neuropathologisches Problem begriffen. Psychosoziale Konzepte dagegen beziehen mit ein, dass die Ausprägung von Demenz davon abhängt, wie das soziale Umfeld interagiert.

Wird Demenz nicht primär als medizinisches Symptom gesehen, sondern als psycho-soziales Geschehen, können demenzbegünstigende Faktoren wie psychosozialer Stress oder Einsamkeit durch z.B. dichte soziale Netzwerke berücksichtigt und reduziert werden. Demenz ist ein Prozess und kann nicht auf das letzte Stadium reduziert werden. Selbstbestimmt zu Hause so lange wie möglich - Pflegebedürftigkeit verzögern Leben mit Demenz im eigenen Zuhause ist nicht nur der Wunsch der meisten betroffenen Personen, sondern kann auch helfen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Von Demenz ist das gesamte System Familie betroffen, somit geht es darum, eine bestmögliche, d. h. eine für alle Beteiligten zufriedenstellende und somit nachhaltig tragfähige Versorgung zu arrangieren. Dies umfasst sowohl professionelle Unterstützung als auch die Einbindung des sozialen Umfeldes (Nachbarschaft, Freunde, Ehrenamt) für das Leben zu Hause.

Optimale Pflegearrangements berücksichtigen, dass die Bedürfnisse der verschiedenen Akteure divergieren können, was ein ausreichendes, bedarfsorientiertes und aufeinander abgestimmtes Angebot an mobiler, teilstationärer und stationärer Versorgung voraussetzt.

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Angestrebtes Ergebnis

Das angestrebte Ergebnis des Prozesses zur Verringerung der Pflegebedürftigkeit von Menschen mit Demenz ist eine Demenzstrategie "Gut leben mit Demenz", mit Wirkungszielen und Empfehlungen in sechs Handlungsfeldern, die einen gemeinsamen Rahmen für die (spätere) Konkretisierung der Ziele und Maßnahmen durch die beteiligten Organisationen bildet und die von den Beteiligten mitgetragen wird.

Das Regierungsprogramm nennt folgende Themenfelder:

  • Öffentliche Bewusstseinsbildung,
  • Versorgungsstrukturen,
  • Prävention und Früherkennung sowie
  • Schulung und Unterstützung von pflegenden Angehörigen.

Ein spezieller Fokus liegt auf der Gesundheitsförderung und der Verringerung der Pflegebedürftigkeit. Als Bezugsdokumente gelten der "Österreichische Demenzbericht (2014)", der Evidenzbericht "Nichtmedikamentöse Prävention und Therapie bei leichter und mittelschwerer Alzheimer-Demenz und gemischter Alzheimer-Demenz" (2014) sowie eine Zusammenschau internationaler Demenzstrategien anderer Länder.

Die Erarbeitung der Demenzstrategie wurde Mitte Dezember 2015 abgeschlossen. (14.12.2015)

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