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Naturbadesee

Baden in der Natur

Österreich bietet eine große Anzahl an Seen, Flüsse und Schotterteiche, sogenannte Oberflächengewässer. Oberflächengewässer sind alle an der Erdoberflächen stehenden und fließenden Gewässer, sofern es sich nicht um Kleinbadeteiche handelt (Bäderhygienegesetz, BHygG) Oberflächengewässer werden in den warmen Sommermonaten gerne zum Baden genutzt. 

Das Wasserrechtsgesetz (WRG) regelt den sogenannten Gemeingebrauch von solchen öffentlichen und privaten Gewässern. Das Baden in öffentlichen Gewässern ist ohne Bewilligung der Wasserrechtsbehörde kostenfrei erlaubt. Oberflächengewässer, die in Österreich bei den Badenden besonders beliebt sind, sind in der Liste der Badegewässer (2017) aufgeführt.

Risikofaktoren

Oberflächengewässer, wie Seen, Flüsse und Schotterteiche, haben im Regelfall keine Badeaufsicht, wie etwa Hallen- oder Freibäder, daher ist jede Person für ihre Sicherheit selbst verantwortlich.

Neben anderen Einflüssen, wie Abschwemmungen bei heftigen Niederschlägen oder Einleitungen in Oberflächengewässer, hat auch die Klimaerwärmung Auswirkungen auf die Qualität der Oberflächengewässer. Selbst eine "ausgezeichnete" Badewasserqualität garantiert kein Nullrisiko hinsichtlich einer Erkrankung. Deshalb gibt es beim Baden in der Natur einiges zu beachten:

Enterokokken und E. coli

Österreichs Badegewässer werden routinemäßig auf Enterokokken und E. coli untersucht. Beide Bakterien werden als Indikatoren für fäkale Verunreinigung gewertet, da sie im Stuhl von Tier und Mensch zu finden sind. Das Verschlucken größerer Mengen von stark belastetem Wasser kann zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen.

So können Sie sich schützen:

  • Vergewissern Sie sich, dass es keine Sperre oder Einschränkung für das Badegewässer Ihrer Wahl gibt. Während der Badesaison veröffentlicht die AGES regelmäßig die aktuellen Messwerte und den Status (auch als App): AGES Badegewässer-Datenbank

Zerkarien

Im Hochsommer können bei hohen Badewassertemperaturen im Flachwasserbereich Zerkarien auftreten. Diese Larven von Saugwürmern, die in Wasserschnecken und Wasservögeln parasitieren, sind für den Menschen an sich harmlos. Sie können aber zu einer lokalen Hautinfektion führen, die mit lästigem Juckreiz einhergeht.

So können Sie sich schützen:

  • Verhaltensweisen wie Sie Zerkariendermatitis vorbeugen finden Sie auf gesundheit.gv.at

Cyanobakterien

Cyanobakterien, umgangssprachlich als "Blaualgen" bezeichnet, sind natürliche Bestandteile von Oberflächengewässern. Diese Bakterien (nicht Algen) enthalten einen blauen Farbstoff und können im Sommer bei hohen Wassertemperaturen zu explosionsartigen "Blaualgenblüten" führen.

Anzeichen für Cyanobakterien sind:

  • eingeschränkte Sichttiefe (< 1 m)
  • bläulich-grüne Trübung des Wassers
  • Schlierenbildung
  • sichtbare "Algenteppiche" an der Oberfläche

Cyanobakterien schmälern nicht nur das Badevergnügen, sie können auch Gifte (Toxine) bilden, die beim Verschlucken größerer Mengen Wasser zu Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Durchfall führen. Daher wird abgeraten, in einem Wasser mit "Algenblüte" zu baden.

So können Sie sich schützen:

  • Gehen Sie nicht dort baden, wo Sie Ihre Füße im knietiefen Wasser nicht mehr sehen können!
  • Schützen Sie auch Ihre Kinder und Haustiere vor diesem Wasser. 

Nicht-Cholera-Vibrionen

Nicht-Cholera-Vibrionen sind natürliche Bestandteile leicht salzhaltiger Oberflächengewässer. Sie treten bei Wassertemperaturen ab 18-20°C auf. In einem "Tropensommer" mit Wassertemperaturen von 25°C und mehr können auch in österreichischen Oberflächengewässern gute Bedingungen für eine rasche Vermehrung herrschen. Sehr selten aber doch verursachen diese Bakterien schwere Wundinfektionen, die im schlimmsten Fall zu lebensbedrohlichen septischen Krankheitsbildern führen können.

Mehr zum Thema im Informations-Folder Nicht-Cholera-Vibrionen

So können Sie sich schützen:  

  • Nicht mit Wunden oder verletzter Haut baden gehen!
  • Menschen mit einer schweren chronischen Erkrankung (wie Lebererkrankung, Diabetes, schwerer Herzerkrankung, einer bestehenden Immunschwäche z. B. nach Transplantationen, Chemotherapie, etc.) und Personen hohen Alters sollen bei lang anhaltenden Hitzeperioden und hohen Wassertemperaturen mit ihrem behandelnden Arzt klären, ob sie weiterhin in einem Oberflächengewässer baden können.
  • Kontaktieren Sie eine Ärztin oder einen Arzt, wenn sich nach dem Baden in einem Oberflächengewässer eine schwere Wundinfektion zeigt. Weisen Sie darauf hin, dass Sie in einem Oberflächengewässer baden waren, damit rasch eine geeignete antimikrobielle Therapie eingeleitet werden kann.  

Leptospiren

Leptospiren sind Bakterien, die über Körperöffnungen, Hautläsionen oder Verschlucken von Wasser in den Körper eindringen und Infektionen hervorrufen können. Sie sind bei Nagern und Wildtieren, aber auch bei Katzen und Hunden verbreitet. Die Infektion kann unauffällig verlaufen oder mit Fieber, Kopf-, Bauch- und Muskelschmerzen 2-22 Tage nach Kontakt mit verunreinigtem Wasser einhergehen. Sehr selten sind schwere Formen mit Herzmuskelentzündungen, Nierenversagen oder Gehirnhautentzündungen. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika.

So können Sie vorbeugen:

  • Vermeiden Sie generell den Kontakt mit eventuell verschmutztem Wasser: z.B. nach starken Regenfällen nicht campen, durch Oberflächengewässer waten oder darin baden
  • Achten Sie darauf, dass Wunden mit möglicherweise verschmutzten Gewässern nicht in Kontakt kommen

Weitere Informationen

Weitere Tipps für ein sicheres Badevergnügen gibt die Österreichische Wasserrettung.

(27.7.2016)

Zusatzinformationen: