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Masernkampagne

Masern

Aktuelle Situation in Österreich

Aktuell wird in Österreich eine Ausweitung des Maserngeschehens beobachtet. Laut nationalem Meldesystem wurden seit Jahresbeginn in sechs Bundesländern insgesamt 78 Masernfälle (Stand 23.6.2017) gezählt. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2016.

Es wird daher allen nicht-geimpften Personen dringend geraten, den Empfehlungen des österreichischen Impfplans nachzukommen und sich frühestmöglich gegen Masern-Mumps-Röteln impfen zu lassen. Der Impfstoff ist für Kinder und Erwachsene an öffentlichen Impfstellen sowie im Rahmen des Kinderimpfprogramms kostenfrei erhältlich. 

Masern in Österreich 2017
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Masern in Österreich 2017 (23.6.2017)

Masernfälle nach Alter
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Um eine weitere Ausweitung des Masern-Virus möglichst hintanzuhalten, haben ExpertInnen des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen (BMGF), der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) sowie der Landessanitätsdirektionen notwendige Sofortmaßnahmen vereinbart.

Unter anderem wurden entsprechende behördliche Kontroll- und Präventionsmaßnahmen gemäß der Standardverfahrensanleitung des Ministeriums umgesetzt. Auch die ÄrztInnenschaft wurde über die aktuellen Entwicklungen informiert und auf besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich Masern hingewiesen.

Masern: Keine harmlose Kinderkrankheit

Masern sind alles andere als eine harmlose Kinderkrankheit. Sie sind hoch ansteckend und können sowohl für Säuglinge, Kinder als auch für Jugendliche und Erwachsene schwerwiegende Folgen haben.

Die meldepflichtige Viruserkrankung Masern ist weltweit verbreitet und wird durch Tröpfcheninfektion, also Tröpfchen, die sich beim Sprechen, Niesen und Husten bilden, übertragen. Es handelt sich um eine der infektiösesten Viruserkrankungen, die man kennt. Die Inkubationszeit beträgt normalerweise 8 bis 10 Tage. Diese Zeit zwischen Kontakt mit der Erkrankung und dem Ausbruch der Erkrankung führt zum katarrhalischen Stadium mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Husten, Schnupfen und geröteten Augen. Nach etwa 14 Tagen beginnt der Hautausschlag, das Masernexanthem: bräunlich-rosafarbene Flecken, die ineinander fließen. Bis zum Beginn des Fiebers können 18 Tage vergehen.

5 Tage vor bis 4 Tage nach dem Auftreten des Hautausschlags ist die Erkrankung sehr ansteckend. Der Ausschlag beginnt typischerweise im Gesicht und hinter den Ohren und hält 4-7- Tage an. Am 5. bis 7. Krankheitstag sinkt die Temperatur, der Ausschlag heilt unter Bildung kleieartiger Schuppen ab.

Besonders gefürchtet ist die in 0,1 % der Fälle auftretende Enzephalitis, eine Entzündung des Gehirns mit Kopfschmerzen, Fieber und Bewusstseinsstörungen bis zum Koma, die 4-7 Tage nach Beginn des Hautausschlags auftreten kann und oft tödlich endet. Zudem verursachen die Masern durch Schwächung des Immunsystems ein mehrere Jahre (2-3 Jahre) anhaltendes erhöhtes Risiko, an anderen Infektionskrankheiten nicht nur zu erkranken, sondern sogar zu sterben.

Vorsichtsmaßnahmen bei Masernverdacht

Bei Verdacht auf Masern, oder Auftreten von unspezifischen Symptomen wie Schnupfen, Fieber, geröteten Augen oder anderen grippeähnlichen Symptomen, die auf Masern hinweisen, UNBEDINGT die Ärztin bzw. den Arzt oder das Krankenhaus VORHER telefonisch kontaktieren, damit eine Übertragung in Warteräumen und Ambulanzen verhindert werden kann.

Impflücken

Impflücken in Österreich gibt es vor allem bei den Geburtsjahrgängen 2008 bis 2010 und bei Erwachsenen, geboren in den 1990er Jahren. Zusätzlich ist aktuell ein Drittel der 15-30-Jährigen noch kein zweites Mal geimpft, das sind mehr als eine halbe Million Personen.

Die Immunität gegen Masern in der Gesamtbevölkerung ist zwar weitgehend hoch. Bei älteren Erwachsenen aufgrund einer Erkrankung im Kindesalter, bei Kindern durch Impfungen.
Die Anzahl der geimpften Personen in Österreich reicht aber nach wie vor nicht aus, um Masern in Österreich auszurotten. Das ergab der Masernbericht 2016. Um die Masern auszurotten, sind Durchimpfungsraten von 95% mit 2 Dosen nötig.

WHO-Ziel: Masern weltweit ausrotten

Das Ziel der WHO ist, die Masern weltweit ausrotten. Die Impfung jeder einzelnen Person trägt dazu bei, eine Herdenimmunität aufzubauen und damit besonders gefährdete Gruppen zu schützen, wie Säuglinge, ungeimpfte Schwangere und Personen, die nicht geimpft werden können z.B. Personen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche.

Die Impfung schützt jeden einzelnen vor einer Erkrankung, die in einem Viertel der Fälle mit Komplikationen (Mittelohrentzündung, Durchfall, Lungenentzündung, Gehirnentzündung) einhergeht und tödlich enden kann.

Österreich im europäischen Vergleich Schlusslicht

Europaweit (EU/EEA-Länder) lag Österreich im Jahr 2015 mit 35,3 gemeldeten Fällen von Masern pro 1 Million Personen an zweiter Stelle nach Kroatien (Kroatien 51,6 Fälle pro 1 Million EinwohnerInnen). An dritter Stelle lag Deutschland mit 30,5 Fällen pro 1 Million Personen, wobei es in Deutschland 2015 zu einem Todesfall bei einem Kleinkind im zweiten Lebensjahr kam. Europaweit traten sechs Fälle der gefürchteten, akuten Masernencephalitis (Gehirnentzündung) auf.

Impfempfehlung

Der Österreichische Impfplan empfiehlt zwei Impfungen im Abstand von mindestens 4 Wochen gegen Masern-Mumps-Röteln (MMR) ehestmöglich ab dem vollendeten 9. Lebensmonat (unbedingt vor Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen). Sind zwei Impfungen verabreicht, besteht lebenslange Immunität.

Impfung nachholen

Ungeimpfte oder nur einmal geimpfte Kinder und Erwachsenen wird empfohlen fehlende Impfungen ehestmöglich nachzuholen, dies gilt auch für Personen ohne Impfdokumentation.

Auch ein Impfen bei bestehender Immunität oder bereits geimpften Personen ist kein Problem, da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt und die Impfviren an ihrer Vermehrung gehindert werden. Eine Überimpfung ist nicht möglich.

Kostenfreie Impfung in jedem Alter

Der Impfstoff ist für Kinder und Erwachsene an öffentlichen Impfstellen kostenfrei erhältlich. Die Kosten für die Impfungen werden vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, den Sozialversicherungsträgern und den Ländern getragen. Informationen zur kostenlosen Masernimpfung: keinemasern.at.

Nebenwirkungen wie leichtes Fieber und Ausschlag können bei circa jedem 10. Impfling auftreten, sind aber in der Regel harmlos und sehr viel schwächer ausgeprägt als bei der Wildinfektion: Informationen zu Nebenwirkungen.

Bericht

Zum Thema

(23.6.2017)