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Ärztin, Arzt

Berufsbild und Tätigkeitsbereich

Die Ausübung des ärztlichen Berufes umfasst jede auf medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen begründete Tätigkeit, die unmittelbar am Menschen oder mittelbar für den Menschen ausgeführt wird, insbesondere

  • die Untersuchung auf das Vorliegen oder Nichtvorliegen von körperlichen und psychischen Krankheiten oder Störungen, von Behinderungen oder Missbildungen und Anomalien, die krankhafter Natur sind
  • die Beurteilung solcher Zustände bei Verwendung medizinisch-diagnostischer Hilfsmittel
  • die Behandlung solcher Zustände
  • die Vornahme operativer Eingriffe einschließlich der Entnahme oder Infusion von Blut
  • die Vorbeugung von Erkrankungen
  • die Geburtshilfe sowie die Anwendung von Maßnahmen der medizinischen Fortpflanzungshilfe
  • die Verordnung von Heilmitteln, Heilbehelfen und medizinisch diagnostischen Hilfsmitteln
  • die Vornahme von Leichenöffnungen.

Jede zur selbständigen Ausübung des ärztlichen Berufes berechtigte Person ist befugt, ärztliche Zeugnisse auszustellen und ärztliche Gutachten zu erstatten.

Die selbständige Ausübung des ärztlichen Berufes ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten für Allgemeinmedizin (und approbierten Ärztinnen und Ärzten) sowie Fachärztinnen und Fachärzten erlaubt.

Kurpfuscherei wird gemäß § 184 Strafgesetzbuch bestraft. Als Kurpfuscherei gilt, wer ohne die erforderliche Ausbildung ärztliche Tätigkeiten auf eine größere Zahl von Menschen gewerbsmäßig ausübt.

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Berufsbezeichnung

  • Ärztin für Allgemeinmedizin bzw. Arzt für Allgemeinmedizin
  • Fachärztin bzw. Facharzt

Turnusärztinnen und Turnusärzte sind jene Personen, die in der Ausbildung zur Ärztin bzw. zum Arzt für Allgemeinmedizin oder zur Fachärztin bzw. zum Facharzt stehen.

 

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Berufsberechtigung

Zur selbständigen Ausübung des ärztlichen Berufes als Ärztin und Arzt für Allgemeinmedizin oder als Fachärztin und Facharzt sind Personen berechtigt, die folgende Erfordernisse erfüllen:

  • allgemeine Erfordernisse
  • die für die Ärztin/den Arzt für Allgemeinmedizin oder für die Fachärztin/den Facharzt vorgeschriebenen besonderen Erfordernisse
  • Eintragung in die Ärzteliste

Allgemeine Erfordernisse:

  • Eigenberechtigung
  • die zur Erfüllung der Berufspflichten erforderliche Vertrauenswürdigkeit
  • die zur Erfüllung der Berufspflichten erforderliche gesundheitliche Eignung
  • ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache
  • rechtmäßiger Aufenthalt im gesamten Bundesgebiet, mit dem das Recht auf Ausübung einer selbstständigen oder unselbstständigen Erwerbstätigkeit verbunden ist

Besondere Erfordernisse:

  • an einer österreichischen Universität erworbenes Doktorat der gesamten Heilkunde oder ein gleichwertiger, im Ausland erworbener und in Österreich als Doktorat der gesamten Heilkunde nostrifizierter akademischer Grad

  • im Falle der Fachärztin und des Facharztes für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ein Qualifikationsnachweis zur Ausübung des zahnärztlichen Berufs nach den Bestimmungen des Zahnärztegesetzes, BGBl. I Nr. 126/2005

  • von der Österreichischen Ärztekammer ausgestelltes Diplom über die besondere Ausbildung in der Allgemeinmedizin oder ein Facharztdiplom; wobei im Fall einer angestrebten Berufsberechtigung als Facharzt bzw. Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie das Erfordernis gemäß Z 1 lit. b ÄrzteG 1998 längstens zum Zeitpunkt des Antritts zur Facharztprüfung erfüllt sein muss

  • anstelle dieser Nachweise (1.-3. Unterpunkt) eine entsprechend anerkannte EWR-Berufsqualifikation bzw. ein anerkanntes Drittlanddiplom

 

Ausbildungserfordernisse für Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin:

  • mindestens neunmonatige praktische Ausbildung (Basisausbildung) zur Vermittlung klinischer Basiskompetenzen in chirurgischen und konservativen Fachgebieten

  • nach erfolgreicher Absolvierung der Basisausbildung zumindest 33 Monate praktische Ausbildung im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses in anerkannten Ausbildungsstätten. Diese sind: 
    • Abteilungen und sonstige Organisationseinheiten von Krankenanstalten und Universitätskliniken
    • sonstige Organisationseinheiten von Medizinischen Universitäten
    • oder Universitäten, an denen eine Medizinische Fakultät eingerichtet ist
    • sowie Sonderkrankenanstalten

  • mit Erfolg abgelegte Ausbildung und Prüfung zur Ärztin bzw. zum Arzt für Allgemeinmedizin

 

Ausbildungserfordernisse für Fachärztinnen und Fachärzte:

  • mindestens neunmonatige praktische Ausbildung (Basisausbildung) zur Vermittlung klinischer Basiskompetenzen in chirurgischen und konservativen Fachgebieten
  • nach erfolgreicher Absolvierung der Basisausbildung zumindest 63 Monate Ausbildung in anerkannten Ausbildungsstätten: Diese sind:

    • Abteilungen und sonstige Organisationseinheiten von Krankenanstalten und Universitätskliniken,
    • sonstige Organisationseinheiten von Medizinischen Universitäten oder Universitäten mit Medizinischen Fakultäten
    • Sonderkrankenanstalten
    • Untersuchungsanstalten der Gesundheitsverwaltung
    • arbeitsmedizinische Zentren gemäß § 80 des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes (ASchG), BGBl. Nr. 450/1994
    • Anstalten, die für die Unterbringung geistig abnormer oder entwöhnungsbedürftiger Rechtsbrecher bestimmt sind
    • sowie Krankenabteilungen in Justizanstalten

    Von den 63 Monaten sind folgenden Ausbildungen für jeweils mindestens 27 Monate im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses zu absolvieren:
    • eine praktische Ausbildung im entsprechenden Sonderfach (Sonderfach-Grundausbildung), ausgenommen ist die Ausbildung in chirurgischen Fachgebieten in der Dauer von zumindest 15 Monaten
    • eine praktische Schwerpunktausbildung (Sonderfach-Schwerpunktausbildung), ausgenommen ist die Ausbildung im Sonderfach Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
  • mit Erfolg abgelegte Ausbildung und Facharztprüfung


Ausbildungserfordernisse für Turnusärztinnen und Turnusärzte

Zur unselbständigen Ausübung des ärztlichen Berufes als Turnusärztin bzw. Turnusarzt sind Personen berechtigt, die folgende Erfordernisse erfüllen:

  • Erfüllung der allgemeinen Erfordernisse

  • eines der folgenden besonderen Erfordernisse
    • Doktorat der gesamten Heilkunde einer österreichischen Universität
    • oder ein gleichwertiger, im Ausland erworbener und in Österreich als Doktorat der gesamten Heilkunde nostrifizierter akademischer Grad
    • oder ein ärztlicher Ausbildungsnachweis für die ärztliche Grundausbildung gemäß Anhang V Nummer 5.1.1. der Richtlinie 2005/36/EG
    • oder ein entsprechender nicht automatisch anerkannter ärztlicher Ausbildungsnachweis

  • Eintragung in die Ärzteliste

 

 

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Berufsausübung

Erfüllen Ärztinnen und Ärzte die Erfordernisse für die Ausübung des ärztlichen Berufes als AllgemeinmedizinerIn, sind sie zur selbständigen Ausübung einer allgemeinärztlichen Berufstätigkeit berechtigt. Dabei ist egal, ob diese Berufstätigkeit freiberuflich oder im Rahmen eines Dienstverhältnisses ausgeübt wird.

Erfüllen Fachärztinnen und Fachärzte die Erfordernisse für die Ausübung des fachärztlichen Berufes für ein Sonderfach, sind sie zur selbständigen Ausübung des fachärztlichen Berufes auf diesem Teilgebiet der Heilkunde als Sonderfach berechtigt. Dabei ist egal, ob diese Berufstätigkeit freiberuflich oder im Rahmen eines Dienstverhältnisses ausgeübt wird.

Fachärztinnen und Fachärzte haben ihre fachärztliche Berufstätigkeit auf ihr Sonderfach zu beschränken. Dies gilt nicht für

  1. Tätigkeiten als Arbeitsmedizinerin/Arbeitsmediziner im Sinne des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes
  2. Fachärztinnen und Fachärzte, die unter den Voraussetzungen des § 40 ÄrzteG 1998 in organisierten Notarztdiensten (Notarztwagen bzw. Notarzthubschrauber) fächerüberschreitend tätig werden
  3. Fachärztinnen und Fachärzte für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Chirurgie, Innere Medizin und Unfallchirurgie, sofern diese:
    • aufgrund krankenanstaltenrechtlicher Organisationsvorschriften im Rahmen sofortiger notfallmedizinischer Versorgung tätig werden
    • und eine Fortbildung gemäß § 40 ÄrzteG 1998 absolviert haben

Besondere Formen der ärztlichen Berufsausübung:

  • Arbeitsmedizinerin/Arbeitsmediziner: Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin sowie Fachärztinnen und Fachärzte, die eine Tätigkeit als Arbeitsmedizinerin bzw. Arbeitsmediziner im Sinne des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes ausüben
  • Notärztin/Notarzt: Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin sowie Fachärztinnen und Fachärzte, die eine ärztliche Tätigkeit im Rahmen organisierter Notarztdienste (Notarztwagen bzw. Notarzthubschrauber) ausüben

  • Amtsärztinnen/Amtsärzte: die bei den Sanitätsbehörden hauptberuflich tätigen Ärztinnen und Ärzte, die behördliche Aufgaben zu vollziehen haben; als Amtsärztinnen und Amtsärzte gelten auch die Arbeitsinspektionsärztinnen und Arbeitsinspektionsärzte

  • Polizeiärztinnen/Polizeiärzte: Amtsärztinnen und Amtsärzte, die für eine Landespolizeidirektion oder das Bundesministerium für Inneres auf Grund einer vertraglichen Vereinbarung oder eines öffentlichen rechtlichen Dienstverhältnisses tätig werden

  • Militärärztinnen/Militärärzte: die als Offiziere des militärmedizinischen Dienstes sowie die auf Grund eines Vertrages oder auf Grund einer Einberufung zum Präsenz- oder Ausbildungsdienst beim Bundesheer tätigen Ärztinnen und Ärzte

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Ausbildung

  • Diplomstudium (Bachelor- und Masterstudium) der Humanmedizin an einer Medizinischen Universität, Medizinischen Fakultät einer Universität oder akkreditierten Privatuniversität (Doktorat der gesamten Heilkunde) und
  • Ausbildung zur Ärztin/zum Arzt für Allgemeinmedizin oder
  • Ausbildung zur Fachärztin/zum Facharzt

Gesamtdauer der Ausbildung:

  • Diplomstudium (Bachelor- und Masterstudium) der Humanmedizin: 12 Semester und mindestens 5500 Stunden

  • Ausbildung zur Ärztin für Allgemeinmedizin/zum Arzt für Allgemeinmedizin: mindestens 3½ Jahre

  • Ausbildung zur Fachärztin/zum Facharzt: mindestens 6 Jahre

  • Spezialisierung: höchstens 36 Monate

  • Nach Abschluss der Ausbildung zur Ärztin/zum Arzt für Allgemeinmedizin oder zur Fachärztin/zum Facharzt ist eine Spezialisierung in Form einer Weiterbildung, die auch sonderfachübergreifend sein kann, möglich.

Nähere Ausführungen zur Ausbildung siehe auch unter Berufsberechtigung.

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Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen

Eine Anerkennung von EU-/EWR-Berufsqualifikationen erfolgt durch die Österreichische Ärztekammer.

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Gesetzliche Interessensvertretungen

  • Österreichische Ärztekammer
  • Ärztekammern in den Bundesländern

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Disziplinarrecht

Ärztinnen und Ärzte machen sich eines Disziplinarvergehens schuldig, wenn sie im Inland oder im Ausland

  • das Ansehen der in Österreich tätigen Ärzteschaft durch ihr Verhalten der Gemeinschaft, den PatientInnen oder den KollegInnen gegenüber beeinträchtigen oder
  • die Berufspflichten verletzen, zu deren Einhaltung sie sich anlässlich der Promotion zum Doctor medicinae universae verpflichtet haben oder zu deren Einhaltung sie gesetzlich verpflichtet sind

 

(letzte Aktualisierung: 1.2.2017)

 

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Zusatzinformationen: