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Maßnahmen in Bezug auf vermehrte Hepatitis A Aktivität

Seit Juni 2016 kam es in 15 Ländern der Europäischen Union zu vermehrter Hepatitis A Aktivität im Vergleich zu den Vorjahren. Die Fälle traten gehäuft bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) auf. Besonders in Italien und Spanien traten gehäuft Fälle von Hepatitis A bei Männern auf, die bis zu achtmal höher waren als im Durchschnitt der Jahre 2012-2016. Das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat dazu Informationen auf die Webseite gestellt und eine Risikoabschätzung publiziert.

Die Daten zur Entwicklung von Hepatitis A seit Juli 2016 aus Österreich wurden von der Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES), Abteilung Surveillance und Infektionsepidemiologie, Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene Wien in Zusammenarbeit mit der Referenzzentrale für Hepatitis analysiert und veröffentlicht.

Krankheitsverlauf und Übertragung

Eine Infektion mit Hepatitis A verläuft typischerweise akut und heilt meist völlig aus. Bei der Hepatitis A gibt es daher keinen chronischen Verlauf und die Erkrankung verläuft selten tödlich. Das Hepatitis A Virus (HAV) wird hauptsächlich übertragen, wenn eine nicht-immune Person Lebensmittel oder Wasser zu sich nimmt, das mit dem Stuhl einer infizierten Person verunreinigt war. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann HAV jedoch auch durch fäkal verunreinigte Hände sowie durch Sexualkontakt übertragen werden.

Die Inkubationszeit beträgt 3-6 Wochen. Nach uncharakteristischen Allgemeinbeschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Müdigkeit kommt es zum Auftreten der Gelbsucht. Der Verlauf ist bei Kindern meist asymptomatisch oder mild, bei Erwachsenen allerdings nimmt der Erkrankungsverlauf an Schwere zu. Ab dem 40. Lebensjahr bzw. bei Personen mit vorgeschädigter Leber muss mit Todesfällen gerechnet werden. Im Rahmen der derzeitigen vermehrten Aktivität wurden bisher keine Todesfälle berichtet.

Empfohlene Maßnahmen

Um eine Ausbreitung zu vermindern, werden derzeit folgende Kontrollmaßnahmen empfohlen:

1. Impfung gegen Hepatitis A:

Kontrolle des Impfstatus und gegebenenfalls Impfung (vor allem vor geplanter Reisetätigkeit)

Derzeit bestehen laut Auskunft der Hersteller Lieferengpässe bei Hepatitis A Erwachsenen-Impfstoff in Österreich. Nach Abstimmung mit dem Nationalen Impfgremium wird daher folgende Vorgehensweise empfohlen:

"Solange Monokomponenten-Hepatitis A Impfstoffe für Erwachsene nicht verfügbar sind, wird zur aktiven Immunisierung gegen Hepatitis A empfohlen:

  • Falls kein Hepatitis B Impfschutz und genügend Zeit (Impfschutz gegen Hepatitis A ca. 2 Wochen nach der 2. Dosis zu erwarten) besteht, wird eine Erwachsenen-Kombinationsimpfung Hepatitis A+B empfohlen. (0, 1, 6-12 Monate).

  • Falls jedoch bereits Hepatitis B Impfschutz besteht, kann wegen mangelnder Alternativen off label ein Hepatitis A Kinderimpfstoff verwendet werden. Mit einem Impfschutz ist etwa 2 Wochen nach der 2. Impfung mit einem Kinderimpfstoff zu rechnen; ist ein rascher Schutzeintritt nötig, so können jeweils eine Dosis am linken und eine am rechten Arm am selben Tag verabreicht werden: Schema 2-1 (2 Dosen am Tag 0 und 1 Dosis nach 6-12 Monaten; alternativ können die ersten beiden Dosen im Abstand von 1 Monat verabreicht werden Schema 1-1-1 (0, 1, 6-12 Monate; altes Havrix 720-Schema); Es sollte für die gesamte Grundimmunisierung der gleiche Impfstoff verwendet werden.

  • Postexpositionelle Prophylaxe: Nachdem ein rascher Schutz gewünscht ist, soll das 2-1 Schema des Kinderimpfstoffs (off-label) angewandt werden. Immunglobulingabe und weitere Details siehe Impfplan Österreich 2017."

2. Persönliche Hygienemaßnahmen

  • Gebrauch von Kondomen (auch Schutz vor anderen STI (sexuell übertragbare Infektion) und HIV)
  • Hände und Genitalien vor und nach dem Sex sowie nach Kondomwechsel waschen
  • Gebrauch von "dental dams" beim oral-analen Sex
  • Gebrauch von Einmal-Latexhandschuhen beim digital Sex ("Fingern")  bzw. fisting

3. Kontaktierung von Gesundheitseinrichtungen

Nicht-immune Personen mit Symptomen oder Beschwerden, die mit einer Hepatitis A Infektion vereinbar sind, und/oder Personen nach ungeschütztem sexuellem Verkehr mit unbekannten Sexualpartnern sollen sich an eine Gesundheitseinrichtung wenden (zur postexpositionellen Prophylaxe bzw. Identifikation von Kontaktpersonen).

(12.6.2017)